Als ich nach Israel kam hatte ich vor einen Marathon in Jerusalem zu laufen. Im Dezember hab ich bereits nachgesehen aber nur einen Halbmarathon im April entdeckt. Also hab ich die Idee ein wenig aufgeschoben. Aufeinmal stand der besagte Halbmarathon vor der Tür. Mit ein paar anderen Volontären haben wir uns angemeldet und sogar einen extra Volontärspreis bekommen.

Es ist ja nur ein Halbmarathon dachte ich, also brauche ich nicht so sehr viel zu trainieren. 2 Wochen vor dem Start bin ich einmal eine Strecke von 18 Kilometern gelaufen, dachte ich, waren aber doch weniger. Das war also mein Training. Leider bin ich Depp, weil es nicht anders ging, mit meinen Laufschuhen im Stausee baden gegangen. 2 mal sogar. Dadurch hat sich der gesamte Schuh verzogen und es tat übelst weh beim laufen. Das war so eine Woche vorm Start. Am Abend direkt vor dem großen Tag, wofür ich nun nur einmal trainiert hatte, gabs auch noch ne Einladung zu nem dicken Essen für uns Volontäre. Buffetessen, also so viel in sich rein schaufeln wie es nur geht, eigentlich ein Paradies für uns. Da ich aber wie gesagt nicht trainiert hatte lies ich wenigstens das gute essen weg, ging früh schlafen. Meine Vorbereitung bestand nur aus einer kleinen Ernährungumstellung welche ich noch aus dem Ernährungunterricht halbwegs kannte. Um 9,15 Uhr begann der Marathon, um 8 Uhr weckte mich Marvin durch einen Anruf und fragte wo ich denn bliebe? Son Mist, hatte eigentlich vor gehabt 4 Stunden vor dem Start etwas Reis zu essen...Ging ja nun nicht mehr. Also schnell irgendwelche Sportklamotten angezogen und mit dem Fahrrad los zum Stadion.

Als ich endlich die anderen gefunden hatte war ich so froh noch pünktlich angekommen zu sein. Ich fragte nach meiner Startnummer und meinem Elektrochip den man zur Registrierung der gelaufenen Kilometer benötigte. Marie sagte nur: "Den Kram hab ich gestern Jonas gegeben, hat er dir das nicht gebracht?" Glubb...ich konnte es kaum glauben, Jonas würde verprügelt werden war mein erster Gedanke. Wie kann man so was vergessen? Ahhhh. Ich hatte nur noch 20 min Zeit bis zum Start. An die Schlange angestellt, die drängelnden, nörgelnden Israelis ertragen und schließlich doch noch ne Nummer bekommen.

Ohne warm machen bin ich dann an die Startlinie und es ging auch sofort los. 100te Leute schoben sich mit dem Startschuss vorwärts. Unglaublich, und ich mitten drin! Nach 5 min tat mein Fuß wegen dem blöden Schuhe weh. Wir hatten uns auch sofort verloren, obwohl wir zusammen laufen wollten. Ich lief einfach mein Tempo meistens hinter ein paar speziellen Leuten hinterher. Mein Problem war das all die Leute die mein Tempo und vor mir liefen richtig anfingen zu schwitzen und demnach auch zu riechen. Ahhh. Ich musste also schneller laufen als die. Problem war hatte ich einen überholt war der nächste Stinker vor mir. Irgendwann schwitze ich auch auch so sehr das es mich kaum noch störte. Das Wasser welches wir am Rand bekamen nutzte ich vorwiegend dafür, es mir übern Kopf zu gießen. Die Sonne knallte einfach so sehr und es war erst um 10 Uhr. Eine andere Sache war das die Berge immer heftiger wurden. Hätte mir jemand gesagt das Israel und speziell Jerusalem so bergig wäre, in Deutschland hätte ich es nicht geglaubt. Auf jeden Fall wurde die Berge immer mehr und meine Energie immer weniger. Hier die Steigungen auf der Strecke.

Hatte zum Glück ein Powerriegel und ne Banane dabei. Als es Zeit war den Powerriegel zu essen und ich in meine Hosentasche griff war er nicht mehr da. Er musste geklaut worden sein, beim laufen, denn davor war er so gut in der Tasche das er gar nicht hätte rausfallen dürfen. Son Mist ich war richtig sauer. Also aß ich ein kleines Stück der zermanschten Banane die ich mit hatte. Es war so ekelhaft denn die Banane war so zerdrückt und warm und ich nahm sie trotzdem die ganze Zeit mit. Hatte den ganzen Bananenschmatter an den Händen und überall wo ich mir, zum Beispiel die Haare aus dem Gesicht strich oder mich irgendwo kratzte. Nach dem Abschnitt durch den Jerusalem Forest, den ich gut kannte da meine eigene Laufstrecke dort langführt, welcher der heftigste Teil des Marathons war, dachte ich bald wäre es zu ende. Die letzte Strecke begann dachte ich, aber es waren immer noch 10 Kilometer. Boah als wir über die gesperrten Hauptstraßen liefen war es schon ein geiles Gefühl. Alle Autos hupten mussten aber trotzdem warten. Man wurde angefeuert von allen Seiten und manche Wasserträger liefen manchmal ein Stückchen mit. das letzte Stückchen ging es den Berg zur Knesset rauf. Der zog und zog sich. Ich dachte schon oh man nach 2 Stunden komm ich endlich an. Als ich ins Stadion einlief sah ich die Zeit. 1 Stunde 43 Minuten. Watt? Unmöglich. Ich gab noch mal Gas und lief ins Ziel mit der Zeit von 1 Stunde 44 Minuten und 52 Minuten ein.
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Derbe geil. Ich war durch. Wir beobachteten die anderen wie sie nach und nach eintrudelten. Es gab Eis, Joghurt und Bananen für alle, und die Stimmung war einfach nur geil. Gewonnen hat ein Afrikaner. 1 Stunde und 8 Minuten. Wir machten die Medaillen Vergabe noch mit, aßen ein Joghurt nach dem anderen und schossen am Ende nochmal lustige Gruppenbilder.

Marvin und ich sind dann zu Ingrid gegangen. Dort habn wir ein leckeres Essen bekommen. Danach bin ich nach Hause, hab meine brennenden, blutenden Oberschenkel eingerieben, meinen Sonnenbrand von 2 Stunden am Vormittag draußen laufen und meine Brustwarzen die ebenfalls brannten wie Hulle bejammert :-)


Es war total herrlich. Kein Muskelkater, die Schmerzen im Knöchel sind nach 2 Tagen auch vollständig verschwunden und ich hatte einen Marathon in Jerusalem gelaufen. Geil.