Da ich wie schon erwähnt im Februar mindestens dreimal zum Flughafen wollte um bestimmte Leute zu verabschieden, musste ich mir was einfallen lassen denn dreimal konnte ich mir eigentlich nicht leisten. Problem ist das zum Flughafen zwar Busse von Jerusalem hin fahren, aber man sollte es nicht glauben, natürlich nicht zurück. Israelische Organisation. Da Tel Aviv und Jerusalem nur 50Kilometer auseinander liegen dachte ich mir man könnte ja locker mit dem Fahrrad zum Flughafen fahren. Man würde die Hintour zur
Jerusalemer CBS, die Fahrt zum
Ben Gurion, die Fahrt ins Flughafengelände, die Fahrt nach Tel Aviv, die
Rücktour von der
Jerusalemer CBS sparen. Eine einfache Fahrt von Tel Aviv müsste man nur bezahlen und das wäre auf jeden F
all möglich. Also hab ich mir ein Fahrrad gekauft was dann aber leider am selben Tag noch gleich geklaut wurde, herrlich! Da ich aber unbedingt mit zur Julia
aufn Flughafen wollte, es außerdem versprochen und bereits freie Tage beantragt hatte musste wieder eine neue Lösung her.

Hab mir dann nach Julias Verabschiedung am Freitag das alte von Dr. Schlag (
Lena) und somit Anna-Sophies neues Fahrrad in
Gilo ausgeliehen und bin Nachts zurück ins
Alyn gefahrn. Nach
nem kurzen Schlaf hatte ich geplant zusammen mit Willi so gegen halb 12 los zu fahren damit wir gegen 3 Uhr spätestens
aufm Flughafen wären. Das Problem war das Willi eigentlich bis um 3 Uhr arbeiten musste. Um halb 1 kamen wir endlich los, ohne was richtiges gegessen und genug geschlafen zu haben. Wir fuhren nicht den direkten Weg denn das wäre die Autobahn gewesen. Zuerst ging es durchs
Jerusalemer Bergland.

Irgendjemand hatte behauptet man würde nur Berg runter fahren und dann ins Flachland kommen. Danach einfach immer nur flache Strecke bis zum Flughafen. PUSTEKUCHEN...wir fuhren die Hälfte der Zeit die wir unterwegs waren nur durchs
Jerusalemer Bergland. Es war zwar voll schön, wir hatten gutes Wetter konnten aber nicht anhalten da wir so unter Zeitdruck standen. Außerdem ging es nicht nur Bergab sonder hoch und runter, durchs Bergland halt und die Berge und Anstiege
hattens in sich. Sind
Serpentinen rauf und runter gefahren und ich hatte das Gefühl wir würden es nie schaffen. Die Sonne war echt so heiß und wir waren so fertig, klar wenn man 20 -30 min nur Bergauf fährt oder besser gesagt schleicht.

Um halb 3 waren wir endlich aus dem
verflixten Bergland raus was aber nur ein Drittel der Strecke war. Also hatten wir für die anderen 2 Drittel quasi noch
ne halbe Stunde Zeit...ich dachte echt wir verpassen Julia!!! Doch jetzt kam der Teil mit dem Bergab fahren. Es wurde richtig kalt denn wir hatten klitschnasse T-
shirts und fuhren damit rund 20 min nur Bergab. Es war so geil, kaum Autos (
Shabbat) mitten au der Straße mit bestimmt manchmal 60 km/h die Berge runter. Es ging alles viel schneller jetzt und wir bekamen wieder Hoffnung.

Haben dann echt so reingehauen das wir um kurz nach halb 4 kurz vorm Flughafen waren. Bei der Passkontrolle wurden wir ein wenig dumm angeschaut und kamen unglaubwürdig
rüber. Wer fährt schon von Jerusalem
mitn Fahrrad zum Flughafen, nach dem Motto was haben sie genau vor? Da wir echt keine Zeit mehr hatten und so fertig waren vom Gegenwind und den ganzen Strapazen, wenig Schlaf, kein Essen...fragten wir hoffnungsvoll wo den jetzt der Abflug ist. Als uns der
Sicherheitsman sagte es wären noch 5 Kilometer weiter ins Flughafengelände rein fielen uns die Mundklappen echt runter. Ich musste so lachen als Willi und ich auf der Flughafenstraße entlangschlichen und er meinte er habe schon so gedankt das wir endlich angekommen wären und
Halleluja gerufen als das
Gate des Flughafens in Sicht kam und jetzt dann nochmal fahren, mit Gegenwind und der Erwartung jede Minute
checkt Julia ein und wir sehen sie nicht mehr und alles wäre umsonst! Haben unsere Räder dann schnell durch Plantagen und Hecken getragen um ab zu kürzen.

Als wir endlich da waren, die richtige
Abflughalle, haben wir Julia auch gleich gefunden. Es war perfekt wie wir ankamen. Konnten ihr gleich unter die Arme greifen und Geld für sie abholen gehen denn sie musste in der Schlange stehen bleiben und Übergepäck bezahlen. So war es doch wieder, mit allen Umwegen, dem ganzen Stress, der ganzen Mühe und
Abplackerei perfekt von Gott geplant gewesen.
Danach sind wir dann auf der Autobahn

nach
Petah Tiqva gefahren, haben dort ein schnelles Essen bekommen konnten den Bus zurück nach Jerusalem nehmen, um nichts in der Welt nochmal durchs Hügelland, und sind dann da von der
Central Bus Station ins
Alyn gefahren. Insgesamt sind wir eine Strecke von knapp 95 Kilometern gefahren. Berechnet man die nächtliche Fahrt von mir mit, wo ich das Fahrrad abgeholte, hab ich also über 100 Kilometer
innerhalb von 24 Stunden mit einem fremden, nie vorher gefahrenen
Bike zurück gelegt!

(Kaktusplantage an der Autobahn)