Kleine Hintergrundinformation von Wikipedia Die mit Purim verbundenen Bräuche basieren auf folgender Passage aus dem Buch Esther. „Mordechai schrieb alles auf, was geschehen war. Er schickte Schreiben an alle Juden in allen Provinzen des Königs Artaxerxes nah und fern und machte ihnen zur Pflicht, den vierzehnten und den fünfzehnten Tag des Monats Adar in jedem Jahr als Festtag zu begehen. Das sind die Tage, an denen die Juden wieder Ruhe hatten vor ihren Feinden; es ist der Monat, in dem sich ihr Kummer in Freude verwandelte und ihre Trauer in Glück. Sie sollten sie als Festtage mit Essen und Trinken begehen und sich gegenseitig beschenken, und auch den Armen sollten sie Geschenke geben.“ Ester, 9:20-22 Im Mittelpunkt steht das Verkleiden mit bunten Trachten und das Veranstalten von Umzügen. Die Stimmung ist ausgelassen. Es werden Geschenke ausgetauscht und große Mengen (vor allem süßer) Festspeisen – wie beispielsweise mit Mohn, Nüssen oder Schokolade gefüllte Hamantaschen verzehrt. Begründungen gibt es viele, warum zu Purim Masken und Kostüme getragen werden. Manches Detail ist sicher zurückzuführen auf die gegenseitige Beeinflussung mit dem christlichen Karneval, der ungefähr zur selben Jahreszeit stattfindet. Eine stärker innerjüdische Begründung basiert auf der Tatsache, dass das Buch Ester eins der Bücher der Bibel ist, in dem der Ausdruck Gott kein einziges Mal genannt wird, zumindest nicht direkt, aber doch in Zusammensetzung von Wörtern. Die jüdische Tradition interpretiert diese Eigenart dahingehend, dass selbst Gott sich zu Purim verkleidet. Dennoch ist in den ausführlichen Details der Erzählung die unverwechselbare Präsenz der göttlichen Vorsehung spürbar. Auf die gleiche Weise soll das Konzept der Maske die Art und Weise ausdrücken, in der Gott die Geschehnisse von Purim lenkte. Er habe sie, obwohl nicht sichtbar, zweifellos gelenkt. Früher verkleideten sich Juden als Ester, Haman usw. Aus der fröhlichen Stimmung des Feiertages heraus wurden dann aber auch andere Kostüme getragen. 
Wir haben uns an dem besagten Tagen extra frei genommen. Unser Vorhaben sah wie folgt aus: Als Orthodoxe Juden verkleidet nach Mea Shearim, in das ultra Orthodoxenviertel, denn normalerweise kommt man dort nur mit bestimmten Kleidern rein und wird immer komisch angesehen. Im Viertel fühlt man sich wie nach einer Zeitreise, angekommen in Prag Ende des 19. Jahrhunderts. Alle laufen orthodox gekleidet rum, enge Gassen, Läden mit Büchern und orthodoxen Kleidern. Alles sehr aufregend. Wenn man lebensmüde ist kann man mal am Shabbat, wo die Straßen dort gesperrt sind, nur in Boxershorts mit dem Fahrrad da durch fahren. Wenn man nur mit Windeln, die extra aufgehoben werden, und Steinen beworfen wird kann man froh sein. Wie gesagt an Purim die einmalige Chance einen tieferen Einblick zu erlangen.

Sind dann am Dienstag nach der Frühschicht los. Unser Zeug zum verkleiden hatten wir ja schon alles davor besorgt. Zu dritt also Jonas, Elena und ich als Nachmans und halbwegs orthodox verkleidet mit den Mädchen von drüben. Herrlich, schon im Bus saßen richtige orthodoxe und wir haben uns so geil aufgeführt. Laut telefoniert, "eifo ata", und nur Stimmung gemacht. Die Ben Yehuda war voll mit komisch Leuten die alle verkleidet waren. Wir haben uns mit noch ein paar anderen Leuten getroffen und sind dann auf nach Mea Shearim. Irgendwie kamen wir uns komisch vor denn es war nicht so viel los wie beschrieben und wir befürchteten schon am falschen von den 2 Feiertagen los gezogen zu sein. Wir sahen dann aber doch Touristen und auch verkleidete Orthodoxe. Hakatan, mit Iro, hatte dann die Idee einfach mal in eine Synagoge zu gehen. Also haben wir uns den Mengen angeschlossen und ehe wir uns versahen waren wir in ner Synagoge aufm Hinterhof. Total krass, alles Juden mit dem hellem Shabbatmantel und dem großen hellem Strohhut. Kaum schwarzgekleidete.

Wir wurden total ignoriert, zum Glück, besser als Heuchler mit ner jüdischen Verkleidung erkannt zu werden. Sogar die Bettler (am Purim ist jeder Jude verpflichtet zu spenden und so betteln sogar die, die es eigentlich nicht nötig hätten, also fast alle) drehten vor uns um und wollten kein Geld haben. So jüdisch sahen wir dann wohl doch nicht aus. Wieder draußen sahen wir die ganzen kleinen orthodoxen Jungs, als Feuerwehr oder Polizeimänner verkleidet, alle am rauchen. Krass solche wandelnden Meter, vielleicht 6 oder 7 Jahre alt am rauchen. Weil wir was ganz anderes erwartet hatten, in der Synagoge wurde nur gelernt und es gab noch keine Schriftlesung, sind wir einfach in die nächste Synagoge. Die war auf der anderen Straßenseite, aber natürlich immer ohne die Mädchen.

Wir hörten schon von unten das die Lesung der Ester Schriftrolle begonnen hatte. In der Synagoge, irgendwie alles merkwürdig, saßen diesesmal nur schwarz gekleidete Orthodoxe mit dunklen Strohhütten. 4 Rabbiner lasen aus Ester und jedesmal wenn der Name Haman viel wurde Krach gemacht sodass der Name nicht erwähnt und gehört werden konnte. Die Kinder hatten Rasseln, Trompeten und anderen Kram zum Lärm machen. Einige hatten sich den Namen Haman unter die Schuhsohle geschrieben und bei jeder Erwähnung traten sie auf den Boden also quasi auf seinen Namen herum. Bei Mordechai wurde dafür dann gejubelt. Genau das wollten wir sehen und es war echt nen einmaliges Erlebnis. Ignoriert wurden wieder aber das kannten wir ja schon. Danach hatten wir auch genug von den Orthodoxen und haben uns zum Party machen in die Ben Yehuda verzogen. Dort ging es echt so ab. Die ganze Zeit wurden Knallfrösche geschmissen, überall Musik, verrückte Leute mit verrückten Kostümen. Betrunkene Orthodoxe und auch normale Leute.

Als am Ende dann Rauchbomben durch die Luft flogen haben wir uns verdrückt. Wir hatten ja noch den nächsten Tag. Da waren wir in er Altstadt und an der Klagemauer. Alles im allem kann man die ganzen Erlebnisse und das ganze Gesehene gar nicht zusammenfassen. Es war alles einfach überwältigend und man muss es erleben. Einmal als Orthodoxer durch die Straßen zu laufen war sehr cool. Wurde von vielen auf Hebräisch angeschnackt. Sogar von nem Chabatjuden der mir dann wohl zeigen wollte wie man Gebetsriemen oder den Gebetsschal benutzt. Was mich Purim gelehrt hat, dass Gott auch wenn er nicht erwähnt wird immer da ist und über allem steht und alles in seinen Händen hält.

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