Wir hatten einen großen Trip mit dem Auto durch den Norden geplant. Kurz gesagt, nichts klappte. Wir entschieden uns so ziemlich spontan für einen Wandertrip zum Flughafen nach Tel Aviv um Angela ein letztes mal zu überraschen und zu verabschieden. Im Vorraus verhielten wir uns ihr gegenüber ziemlich gemein, verabschiedeten uns garnicht und gaben vor bei ihrem Abschied irgendwo im Norden rum zu fahren. Stattdessen bereiteten wir uns am intensivsten darauf vor. Immerhin liefen wir 48 Stunden vor ihrem Abflug los um Yalla by am Flughafen sagen zu können. In Jerusalem ging es an der Central Bus Station los. Wir rochen noch normal und waren guter Dinge.
Unsern ersten Stopp legten wir in Yad HaShemona ein wir schoneinmal zum Seminar hingewandert sind. Dort aßen wir erstmal weil wir das am Morgen in der WG vergessen hatten und machten Bilder mit der dortigen Elvisstatue.
Außerdem tranken wir natürlich auch einen Kaffee in dem Elvis Inn Kaffeehaus. So ging es also am Donnerstag gegen 15 Uhr erst richtig los mit unserem Wandertrip. Volle Rucksäcke hatten wir, weil wir über Shabbat wanderten wo wir nicht damit rechneten irgendwo Vorräte zu bekommen.
Trotzdem waren wir guter Dinge und wanderten mit unserer Straßenkarte los, die Straße entlang. Das war nicht irgendeine Straße sondern der Highway 1 von Jerusalem nach Tel Aviv. Sehr stark befahren mit chaotischen und gestressten Fahrern.
Wir verließen den Standstreifen auf dem wir gingen auch bald und suchten den Israeltrail, ein Wanderweg durch ganz Israel, in einem kleinen Ort abseits der Autobahn. Der Wanderweg war das komplette Gegenteil von der Straße.
Es war ruhig und richtig idyllisch. Wie im Märchenbuch wanderten wir durch die einmalige Natur. Mein Rucksack drückte ganz schön auf den Rücken. Aber der Weg entschädigte dafür echt. Einmalig und wunderschön.
Entlang des Pfades waren immer wieder Gedenktafel von Holocaustopfern. Manche sogar auf Deutsch. Überall wird das Gedenken an den Holocaust in diesem Land aufrecht erhalten. Wir wanderten am Donnerstag dem 28. Januar einen Tag nach dem Internationalen Holocaustgedenktag diesen mit Gedenktafeln gepflasterten Weg entlang.
Der 27. Januar erinnert an die Befreiung des KZ Auschwitz, von welchen wir auch Steine am Wegrand sahen. Es wurde sehr schnell dunkel. In den Höhlen die wir unterwegs sahen wollten wir nicht so gerne übernachten, nicht das wir einen Bären oder sonst wen damit stören würden.
Wir fanden, als es schon dunkel war, den perfekten Platz am Rande eines Abhanges in den letzten Ausläufern der judäischen Berge mit Blick auf die sich vor uns erstreckende Ayalonebene. Leider sahen wir nicht so sehr viel davon, außer den Lichtern der Städte unter uns.
So schlugen wir unser geliehenes Zelt auf, sammelten Feuerholz und kochten uns Pititim. Nur unter Männern klappte das alles perfekt. Es machte total Spass in der Wildnis. Das Holz war auch noch trocken und in den Wäldern fanden wir auch reichlich.
Wir mussten uns immer wieder sagen das wir mitten in der Regenzeit, mitten im Winter im Januar draußen mit kurzen Hosen herumliefen, Feuer machten und vorhatten in der Natur zu pennen. Besser gehts nicht. Gehts doch. Es gab richtig gutes Essen mit einem frisch gekauften Gaskocher.
Genügend Essen hatten wir ja dabei. Gut das Matthäus und Dominic dabei waren. Daher könnt ihr so viele gute Fotos hier sehen. Ich selbst habe nur ein paar Panoramaaufnahmen gemacht und das wars. .JPG)
Die im kochenden Wasser springenden Pititim eigneten sich wohl sehr gut als Fotomotive. Irgendwann aßen wir dann auch, romantisch am Lagerfeuer. Hummus, Tomaten, Pita...alles was man braucht zum Überleben hatten wir dabei. Schokolade versüßte den Abend und unsere gute Gemeinschaft am Lagerfeuer.
Am nächsten Morgen wachten wir viel zu spät auf, anscheinend hatten wir wohl alle sehr gut geschlafen. Es stank und war total warm im Zelt.
Wir machten uns aber keinen Stress, ganz im Gegenteil. Wir aßen gemütlich ein reichhaltiges Frühstück, machten eine Morgenandacht, freuten uns über alle vorbeikommen Mountainbiker die immer wieder betonten, dass sie unsere Wanderaktion sehr toll finden würden.
Als wir endlich von unserem genialen Platz loskamen war es bereits 12 Uhr. Ziemlich spät. Wir wollten eigentlich viel früher loswandern. Dafür hatten wir jetzt den genialen Blick über die Ayalonebene.
Wir hielten unterwegs an irgendeiner lebensgefährlichen Institution, orientierten uns und fanden dann auch den Israeltrail wieder den wir in der Nacht verloren hatten.
Wir wanderten nicht sehr viel und hielten schon wieder an einer Tankstelle die noch offen hatte, es war kurz vor Shabbat. Dort benutzten wir mit Freude die Toiletten und füllten unsere Vorräte wieder auf. Cola und Fanta kamen statt dem Wasser dazu.
Wir folgten dem Israeltrail durch Olivenhaine und Zypressen, Mohnfeldern und Orangenplantagen. Herrlich, ich liebe diesen Wanderweg und werde ihn irgendwann nochmal komplett wandern.
Eine Besonderheit des Trails ist, dass er an vielen historischen und auch einmaligen Naturplätzen vorbeiführt. Daher ist der gesamte Trail auch 940 Kilometer lang, durch ein bloß ca 400 km großes Land. Diese Zeichen des Trails findet man im ganzen Land.
Einer dieser besonderen historischen Plätze lag auf unserer Wegstrecke. Die so genannte "Burma Road". Die Burma Road ist eine Behelfsstraße zwischen Tel Aviv und Jerusalem, die während des Israelischen Unabhängigkeitskriegs von den Israelis angelegt wurde, um Latrun und den Bab el Wad zu umgehen und den belagerten jüdischen Teil Jerusalems mit Versorgungskonvois zu erreichen.
Eine sehr spannende Geschichte die auch am Wegrand wiedergegeben wurde. Man konnte etwas über den Pipelinebau und den Straßenbau an sich lesen und originale Ausstellungsstücke angucken. Mitten im Wald wo fast niemand hinkommt hat man so eine Art kleines Museum.
Wir wanderten weiter und kamen an die alte Kreuzfahrerruinen von Latrun. Dort bestaunten wir den Ausblick über die Ebene und den Sonnenuntergang. Wir hatten unseren Spass an einem Kaktushain, dort stellten wir fest, dass auch die Kakteen in Israel einen Wasserspeicher haben.
Die Sonne war weg und dafür kam der Mond raus. Wir hatten den Segen die Tage Vollmond gehabt zu haben. Dies ermöglichte uns den Zeltaufbau, das Wandern und Kochen in der Nacht. Natürlich mussten wir auch Bilder vom Mond, und uns, machen.
Wir entschieden uns dann noch weiter zu wandern, denn wir hatten nur ein Minimum der Strecke zum Flughafen geschafft. Es war gegen 17 Uhr und Angela würde am nächsten Tag um 15 Uhr abfliegen. Wir hatten vielleicht erst die Hälfte der Wegstrecke hinter uns, daher konnten wir nicht einfach schlafen gehen. Wer sich auskennt im Lande weiß wo Latrun liegt und wie viel Weg wir noch vor uns hatten.
Wir wanderten wieder an der Straße Nummer 1 entlang. Fanden dann den Israeltrail wieder den wir unterwegs öfters verloren hatten. Der Trail machte leider viele Umwege. So kam es das wir irgendwann in einem Neubaugebiet ohne Neubauten weit abseits des direkten Weges und der Straße herauskamen. Es gab Straßen und Beleuchtung aber keine Häuser. Es sah so aus wie eine Wohnsiedlung wo alles Häuser entführt worden waren. Anscheinend war es eine sich noch in der Planung befindenden Siedlung denn auch auf der Karte war die Geisterstadt nicht eingezeichnet. Wir nutzen die Laternen zum kochen. Es war so gegen 21 Uhr Abends.
Wir machten uns wieder auf den Weg. Mit vollen Bäuchen, schmerzenden und kalt gewordenen Gliedern. Oh man es war schon Überwindung. wir wollten alle nur noch schlafen. Man, alles für Angela. Das redeten wir uns immer wieder ein. Im nächsten Abschnitt kommen keine Fotos. Ihr werdet lesen warum wir keine machen konnten. Wir verloren in der Dunkelheit mal wieder den Trail und entschieden uns dann einfach der Eisenbahnstrecke zu folgen, denn dies war der direkteste Weg zum Flughafen. Leider konnten wir nicht auf den Schienen gehen denn die Gleise waren abgesperrt. So verloren wir auch irgendwann die Eisenbahnstrecke, bedingt durch den Verlauf der Wanderwege. Wir entschieden uns dann für ein ausgetrocknetes Flussbett als Wanderweg, welcher uns irgendwann wieder zu den Schienen bringen würden, laut Karte. Der Fluss war aber nicht ganz ausgetrocknet, es war so matschig das wir einen weiteren Pfad wählten der, so schien es zu den Gleisen führen würde. Irgendwann kamen wir in ein Steinbruch. Mitten zwischen Förderbändern, rauchenden Fabriktürmen und riesigen Trucks standen wir da. Der Weg führte aber anscheinend quer durch dieses Industriegebiet. Wir folgten dem Weg und wunderten uns schon das bei dem nächtlichen Betrieb keine Arbeiter zu sehen waren. Auf einmal kamen wir an einem eingezäunten Gebiet vorbei, welcher bewacht wurde. Die Hunde bellten uns laut an. Boah, die übelsten Kampfmaschinen waren das. Wir beschleunigten unseren Schritt. Auf einmal ging die Alarmanlage los. Blaue Lichter, Balagen die Sirene und verrückt werdende Hunde machten uns Angst. Unsere Füße taten so weh doch liefen wir mit unserem ganzen Gepäck so schnell es ging weg von dem Steinbruch. Immer zurückschauend ob nicht die am Zaun hochspringenden und total abgerichteten Hunde sich befreit hätten oder von den Besitzern auf uns losgehetzt wurden. Plötzlich standen wir auch noch vor einem Schild mit der Aufschrift Lebensgefahr und einem riesigen Totenschädel. Im Hintergrund immer noch die Sirene und das Hundegebell. Kamen sie näher? Wir liefen weiter stießen Stoßgebete zum Himmel und nahmen unsere Beine in die Hand. Erst nach einer halben Stunde straffen Fußmarsches, dem Unterqueren des Highways und der Eisenbahnstrecke fanden wir uns wieder in einer sicheren Umgebung. Wir machten Pause, waren Hundemüde (haha kein gutes Wort) und halbtot vor Erschöpfung. der Schrecken saß immer noch tief. Auf jeden Fall hatten wir ein gutes Stückchen abgekürzt. Wir wanderten noch weiter bis wir an einem Moshav rauskamen, welches uns aber nicht das Tor zur Übernachtung öffnete. Es war mittlerweile schon fast 1 Uhr Nachts. Wir konnten nicht mehr, machten wir 2 Minuten Pause konnten wir nicht mehr laufen. Wir mussten aber weiter weil wir wieder an der Straße waren.
Wir kamen ein wenig zur Ruhe und gingen ein kleines Stück in den Ort Lot hinein. Dort hatten wir dann die Alternative auf einem Kinderspielplatz oder auf einem Kreisverkehr zu campen. Wir entschieden uns für das erste. Mit letzter Kraft bauten wir das Zelt auf und gingen gegen 2 Uhr endlich schlafen.
Am nächsten morgen wurden wir von den spielenden Kinder geweckt, die sich nicht scheuten auch in unser Zelt zu kommen. Wir zelteten halt genau auf ihren Spielplatz, außerdem war Shabbt und die Familien sind dann unterwegs, draußen auf Spielplätzen und in der Natur.
Wir waren immer noch total geschafft von der Nacht. Wir stanken, hatten Hunger und Schmerzen in so vielen Körperpartien. Trotzdem brachen wir ein letztes Mal auf, natürlich nicht ohne Zähne putzen.
Wir entledigten uns des ganzen Mülls. Den gammelden Tomaten, den zerquetschten Puddings und auch den notdürftig gebauten Ersatheringen für unser Zelt, die aber einwandfrei gehalten hatten..JPG)
Am Tag und der Nacht zuvor waren wir über 40 Kilometer gewandert. Daher musste wir nur noch eine verhältnissmäßig kleine Strecke zum Flughafen laufen, allerdings mal wieder auf der Straße.
Am Flughafen angekomm, so gegen 12 Uhr, gingen wir erstmal auf Toilette. Ich hielt es nicht mehr aus meine Füße zu riechen wenn ich einfach nur normal herumstand und 1,80 Meter von ihnen mit meiner Nase entfernt war. Wir wollten Angela ja auch gebührend verabschieden, hatten aberAngst, dass sie vor unserem Gestank reiß aus nehmen würde. Deswegen wuschen wir uns ordentlich, bis ein Sicherheitsmann auf die Toiletten kam und sich einfach neben mich stellte. Er musste nicht auf Klo, musste sich nicht die Hände waschen nichts. Er stand direkt nebn mir, sagte nichtsgab mir aber zu verstehn mich wieder anzu ziehen und aus der Toilette zu verschwinden. Anscheinend haben sich die andern Gäste der Toilette durch uns gestört gefühlt. Haha, sah auch komisch aus. Halbnackte, stinkende und schlimm aussehnde, sich mit Handtüchern und der Handseife waschende Jungs.
Am Ende waren wir aber alle glücklich denn Angela kam dann auch und hatte keine Probleme bei den Kontrollen, sodass wir noch Zeit hatten zu erzählen und zu beten. Wir freuten uns alle. Wir, dass wir überlebt hatten und Angela rechtzeitig überraschen konnten und Angela freute sich ebenfalls über unsere Aufopferungen und den Verzicht auf unsere Tour durch den Norden für sie. Tja, sowas erlebt man in seiner WG.
Wir wanderten weiter und kamen an die alte Kreuzfahrerruinen von Latrun. Dort bestaunten wir den Ausblick über die Ebene und den Sonnenuntergang. Wir hatten unseren Spass an einem Kaktushain, dort stellten wir fest, dass auch die Kakteen in Israel einen Wasserspeicher haben.





