Rafi, ein Patient von unser Station hat mich gefragt ob ich mit ihm auf
ne Hochzeit kommen würde. Es ist immer so das ich natürlich nicht alles ganz genau verstehe weil die so schnell Hebräisch reden. Bin deswegen schon sooft in
Fettnäpfchen getreten. Hochzeit, den Tag und die Uhrzeit verstand ich. Am Dienstag Abend nach einer Nachtschicht. Ich sagte so schnell ja das ich mich im Nachhinein wider ärgerte.
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(Rafi ist der linke im Bild, der rechte ist Gihad, oder Giegie ein Patient mit der meisten Coolness im Alyn aber auch sehr anstrengend) Irgendwie
gings mir nicht so gut, hatte wenig geschlafen und mich irgendwie erkältet. Als ich Montag zur Nachtschicht los ging merkte ich schon das etwas nicht stimmte. Mich erwischte es voll. Vielleicht durch die Klimaanlagen oder die Arbeit. Ich war kaum noch fähig zu arbeiten, mich auf den Beinen zu halten oder sonst was zu tun. Ich fror, hatte nen dicken Hals und dicke
Mandeln,
nen dröhnenden Kopf usw. Und die
Patienten klingelten irgendwie besonders viel in dieser Nacht. Zog mir
nen Jogginganzug von
Fares über, trank Tee, bekam Schmerztabletten von der
Nurse und arbeitete noch die Schicht bis zum Ende, zum Groll von
Angela die mir die ganze Zeit über
Skype riet einfach nach Hause ins Bett zu gehen. Hätte ich vielleicht auch machen sollen. Stellte mir den
Wecker auf 14 Uhr weil wir da eigentlich filmen wollten für unsere
Alynfilm der auf dem Seminar gezeigt werden sollte. Schlief danach dann weiter bis um 18 Uhr. Mir
gings immer noch dreckig. Machte mich trotzdem fertig mit Anzug und schicken Klamotten.
Angela war echt n bisschen sauer auf mich das ich das machte, aber ich hatte es
Rafi ja versprochen. Nahm vorsichtshalber Tabletten mit obwohl ich nicht vorhatte die zu
nehmen. Bin kein Fan von Medizin. Die Fahrt ging schon gut los. Laute Musik schon im Auto, ich schwitzte als einziger, hatte Kopfschmerzen und
nen dicken Hals.

Zum Glück fuhren wir nicht wie ich es verstanden hatte nach Haifa sondern nach
Petah Tiqwa. Dort suchten sie über eine Stunde den
Veranstaltungsort. An jeder Kreuzung wurde angehalten und das Fahrzeug auf der Nebenspur angesprochen. Anstatt sich davor zu informieren macht man es dann auf die Israelische Art. Nach
ner endlosen Suche fanden wir es endlich. Ich wäre am liebsten gleich wider mit dem Fahrer nach Hause gefahren. Ging ja aber nicht. Rafi freute sich wie ein Schneekönig. Also rein ins Gebäude wo die Musik schon laut raus tönte. Die erste Überraschung, überall Behinderte.
Rafi kannte die meisten von ihnen. Nun bekam ich auch mit das zwei Behinderte heiraten würden.

Rafi wurde mir von seinen alten Bekannten quasi abgenommen. Ich holte mir
ne Coke stellte sie
aufn Tisch, danach bin ich los um was Essbares auf zu treiben. Als ich mit ein paar Frühlingsrollen widerkam war
meine Cola weg. Schnell die Frühlingsrollen gegessen und dann ging es auf einmal auch schon los mit der Zeremonie. Stellte mich schön nach vorne hinter die Rollstühle und hab alles gut mitbekommen. Die ganze Zeremonie, den
Rabbi, und alle Dinge die zu einer Israelischen Hochzeit dazu gehören.

Als am Ende das Glas zerbrochen wurde (die Freunde hoben den Rollstuhl des Bräutigams an, legten das Glas drunter und ließen den Rollstuhl drauf fallen was beim ersten Mal nicht so klappte) schrien alle m
azel tov und die Party startete. Musik,
Disco alle fingen an auf der Stelle wo sie eben noch still standen und der Zeremonie
gelauscht hatten an zu tanzen. Oh man kein Ort für mich. Ich verdrückte mich zu den Esstischen. Nach einiger Zeit wurde die Party unterbrochen und alle (alte Omas, kleine Kinder und alle anderen Generationen kamen von der
Tanzfläche) setzten sich an die Tische. Es gab Essen. Bekam
nen großen Teller mit allen möglichen guten Sachen. Wollte aber erst
Rafi füttern. Nachdem er drei Bissen genommen hatte kam das Brautpaar auf die Tanzfläche gefahren und führte den
Eröffnungstanz vor zu
ner Technoversion von Fluch der Karibik.

Danach strömten wider alle Leute, jung und alt, auf die Tanzfläche. Wie
ne Panik, alles wurde stehen und liegen gelassen, das gute Essen, die Behinderten die
nicht selbst fahren konnten, einfach alles. Komischerweise hatte alle Männer die davor eine trugen nun keine
Kippa mehr auf. Man voll die Party,
Disco,
Techno, voll das richtige für mich.
Sowas nervt mich ja schon normalerweise
aba in der Situation mit fetten Kopfschmerzen und so. Boaaaaaaaaaaaaaaahh...Als ich mich nur noch Kopfschüttelnd vom Geschehen wider meinem Essen zu wandte und den ersten Bissen nehmen wollte war das gute Essen auch schon alles abgedeckt. Nahm noch schnell ein Brot und ein paar
Dressings die
rum standen denn wie ich befürchtete, war es danach nicht mehr möglich noch irgendwas Essbares auf zu treiben. E
s gab nur noch Getränke welche ich mir auch ständig neu holen musste denn wenn ich mich nur kurz vom E
ssenstisch abwandte und
Rafi beobachtete oder die ganzen anderen verrückten, tanzende Israelis war mein noch nicht mal halbleeres Glas sofort abgedeckt.
Rafi war die ganze Zeit mitten im Geschehen.

Er
bewegte sein Joystick einfach immer vor und zurück, so wackelte sein Kopf die ganze Zeit und er gehörte auch zu der tanzenden Meute. Nachdem der Fahrer schon ordentlich Druck machte zogen wir ab. Zum Glück, es waren bestimmt drei Stunden vergangen in denen R
afi auf der Tanzfläche war und ich mir dauernd neue Colas holen musste.
Cool war das ich nichts zu tun hatte und die ganze Zeit Bibel lesen konnte. Wurde oft
angequatscht ob nicht auch tanzen wolle,
aba zum Glück hatte ich die Ausrede das ich ja auf
Rafi achten müsste. Der war
aba so beschäftigt, wie gesagt musste ihn nicht mal richtig füttern. Im Auto schlief ich während
Rafi die ganze Zeit wie verrückt von seinen Erlebnissen auf der Tanzfläche berichtete. Endlich im
Alyn brachte ich
Rafi nur noch zu seinem Raum und fiel danach in mein Bett. Konnte am nächsten Tag ausschlafen. Es ging mir dann auch schon viel besser und ich hatte nicht eine einzige
Tablette genommen. Israelische
Hochzeiten muss ich nicht mehr besuchen, man kann auch in eine
Disco gehen, es ist fast das gleiche.