Donnerstag, 21. Mai 2009

Kinneretumrundung 2/2

Als wir am nächsten Morgen erwachten, waren wir alle am Ende. Ohne Frühstück und trinken sind wir los gewandert. Eine immer mehr endlos erscheinende Straße entlang. Mir ging es noch ganz gut dabei aber Hendrik hatte das Todesurteil getroffen. Da er am Tag davor mit seinen normalen Straßenschuhe durch das Wadi gelatscht ist hatte er sich an beiden Füßen 2 riesen Blasen gelaufen. Als der Abzweig nach Gamla zum Nationalpark kam trennten wir uns und Hendrik wollte nach Hause fahren, dafür musste er aber einen guten Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle humpeln, der arme. Wir sahen auf unserem Weg den Hermon und riesige Grashüpfer, bestimmt 8-10 cm groß. Voll geil, so müssen die Dinger bei den 10 Plagen in Ägypten aus gesehen haben...In Gamla angekommen waren wir überglücklich wegen des geöffneten Supermarktes. War zwar alle überteuert aber das machte uns nichts aus, wir aßen jeder für 2 Personen und ich war froh eine Kreditkarte zu besitzen. Der Nationalpark war super, haben den größten Wasserfall Israels, fliegende Geier und eine Festung ähnlich wie Massada auf der sich ebenfalls Juden verschanzten, kämpften und sich um brachten (an die 5000 Juden) gesehen. Wir waren auch baden, obwohl es verboten war. Wer geht bei sengender Hitze nicht baden?Auf dem Rückweg mussten wir rennen um den Bus zu erwischen. Erst wurde Krissi von 3 älteren Herrschaften zur Kreuzung mitgenommen, da er den schwersten Rucksack hatte (wegen seiner Gitarre). Willi machte ordentlich Druck. Wir flitzten die Straße mit unseren fetten Rucksäcken in der Mittagshitze entlang und wussten genau wir haben keine Chance, wir schaffen es nicht mehr. Zum Glück nahm uns jemand auf seinem Pickuptruck mit, wir hätten sonst den letzten Bus verpasst und Willi hätt uns gekilltIm Bus sahen wir dann auch Hendrik wider der den totalen Umweg gemacht hat welcher so viel Zeit in Anspruch genommen hatte das wir den ganzen Nationalpark besichtigten konnten, inklusive Gewaltfußmarsch zur Bushaltestelle. Wir stiegen am Kinneret genau an der Haltestelle wider aus wo wir Nachts zuvor eingestiegen sind um ja kein Meter der Umrundung zu verpassen (wir hätten weiterfahren können). Als wir dann Strand lang krochen kamen auf einmal 2 Mädchen uns entgegen gerannt. Wir erkannten Svenja und Maria die, zu unser großen Freude Schüsseln mit Essen in den Händen trugen (Pizza, Kuchen etc.). Eigentlich wollten die Mädchen mit uns mit wandern aber wir hatten ihnen im Voraus schon abgesagt da wir uns auf eine reine Männertour freuten. So unternahmen sie etwas auf eigene Faust doch nun wir freuten uns sie zu treffen, ja auch sie und nicht nur das Essen. Nachdem relaxen, im Kinneret baden und ner derbe geilen Runde Baseball mit nem gefundenem Stock und nem Tennisball, achja und nachdem wir den Mädchen ordentlich Ballast abgenommen hatten (ich drücke das Aufessen von der Hälfte der mitgebrachten Vorräte mal so aus) sind wir weiter direkt am Strand langelatscht. Diese Baseballrunde war eigentlich so dumm denn wir verausgabten uns ordentlich, jap wir trafen den Ball öfters und mussten dann natürlich flitzen, und wanderten dann wider mit nem riesen, schweren Rucksack. Der Weg ging entlang an Mienenfeldern. Mein Rucksack war während der ganzen Wanderung über die Tage mit Nummernschild und Israelfahne gekennzeichnet. Wir hatten den Schrott während der ganzen Staßenmärsche im Graben gefunden. Die Fahnen hingen an allen Wagen, wie in Deutschland zur WM, wegen dem Unabhängigkeitstag. Es wurde Abend und wir wanderten immer noch. Waren mittleweile schon bei Ein Gev an der Ostseite des Sees. Als die Sonne unterging wanderten wir weiter und wurden mit nem einmaligen Sonnuntergang belohnt (mal wider). Auf dem Bild ist der höchste Berg um den See zu sehen auf dem wir am 2. Tag drauf waren. Im Kibbutz Ein Gev suchten wir ne Möglichkeit zum Essen, fanden aber nichts und wanderten weiter. Machten unterwegs öfters halt für irgendeinen Scheiß. Bin zu nem echten Müllsammler geworden, was aber echt praktisch ist. Irgendwann schon sehr spät kamen wir in Ha On an. Wir bauten auf einen eigentlich geschlossenem Zeltplatz unser Zelt auf, machten Feuer und aßen unsere Suppen. Ich war tot müde, schlief schon am Feuer ein und konnte mich dann mit letzter Kraft noch ins Zelt schleppen in welchem ich eine sehr gute Nacht verbrachte. Alle anderen außer Marvin und Willi schliefen draußen. Vielleicht war die Nacht daher so erholsam denn zuvor haben wir, in dem für eigentlich 4 Leute ausgelegtem Zelt mit 5 großen Jungs gepennt (ich war der kleinste von allen). Am Morgen stand ich auf und fand mich zwischen Palmen mitten am See wider. Herrlich.Es ging weiter ohne die Mädchen. Wir wanderten an der Straße bis zum Kibbutz Ha On. Unterwegs fanden wir auch endlich mal wider Bananen auf den Plantagen und ich aß mich ersmal satt. An der Straße standen Bunker und Befestigungen aus dem 6 Tagekrieg. Das Kibbutz wurde damals als Festung ausgebaut. Daher bestanden auch noch alle Mienenfelder östlich des Kinnerets falls es sich die Syrer nochmal anders überlegen und es erneut versuchen sollten. In einer Befestigungsanlage fanden wir nen fettes Straßenschild was leider zu groß zum mitnehmen war. Es ging weiter zur nächsten Tankstelle wo wir nochmal richtig luxuriös einkauften. Wir wollten ins Kibbutz gehen und dort Paintball schießen, leider ging das nur mit vorheriger telefonischer Anmeldung. Vielleicht wars ja besser so. An herrlicher Landschaft mit Palemplantagen und tollen Blumen vorbei führten wir unsere Umrundung fort. Der geilste Weg am Kinneret war auf diesem Abschnitt. Geduckt durch Gestrüpp, mit Abseilen und allem drum und dran direkt am Wasser entlang. Wir kamen ans Südende und es wurde belebter. Auf einmal schritten wir schon wider über den Jordan. Es war Nachmittag und wir machten unsere letzte gemeinsame Rast an der Taufstelle Yardenit direkt am Jordan. Wir schauten uns die ganzen "religiösen" Leute an die sogar ab und zu mit Kamera ins "heilige" Wasser stiegen um sich wie in der Fabrik am Fließband taufen zu lassen. Was bin ich froh über meine Taufe im schlichten Kappler Taufbecken. Krissi und Marvin verabschiedeten sich und sind von dort ebenfalls nach Hause gefahren. Willi und ich waren also übrig, wir aßen erstmal. Daraufhin wurden wir dann von der Taufstelle rausgeworfen. Vielleicht lag es daran das wir Hummus, Salat, Brot und alles andere was wir hatten dort ausbreiteten. Wir gingen also zu zweit. Da es langweilig gewesen wäre nur Straße nach Tiberias zu laufen nahmen wir den Israel Trail der allerdings auf den Bergen am Kinneret führte. Das hieß fast 500 m klettern. Zum Glück fanden wir jeder eine Fahne mit Stange die wir als Wanderstock nutzten. Wir wanderten durchs so genannte Schweitzerland. Plantagen und alles unter uns. Ein derbe Ausblick. Wir sahen nochmal alle Plätze wo wir waren, den gesmaten Kinneret halt. Als es schon wider Stockdunkel war aßen wir zum letzten mal, unsere gesamten Reste. Doch wiso halt machen? Da wir am nächsten Tag um 3 Uhr zum Arbeiten wider im Alyn sein mussten wanderten wir weiter. Mit den Taschenlampen suchten wir die Wegmarkierungen in dem Wald. Manchmal echt schwierig, aber auf jeden Fall nen Wahnsinns Abendteuer. Als es dann echt schon spät war und man nicht wusste wo man war fanden wir zum Glück abseits des Wegs eine gute Stelle zum Zelt aufbauen. Zum letzten Mal. Wir schliefen jede Nacht im Zelt und bauten es immer im Dunkeln mit Taschenlampen auf. Morgens weckte uns die Russische Nationalhymne. Draußen vor dem Eingang wurden wir bereits von Pferden und nem geilem Sonnenaufgang erwartet. Nachdem wir ne halbe Stunde gewandert waren, fanden wir uns schon im Zentrum von Tiberias wider. Wir gingen die Straße entlang und kamen tatsächlich genau an der Bushaltestelle wider raus an der alles anfing. Natürlich schossen wir Foto, diesmal nur zu zweit. Im Bus nach Jerusalem fand dann aufeinmal die Gedenkminute für alle gefallenen Israelischen Soldaten statt. Der Bus hielt, alle standen sogar die Autofahrer hinter uns. Unser Bus war dazu auch noch gefüllt mit Soldaten. In Jerusalem kamen wir dann kurz vor Arbeitsbeginn an, konnten grade so noch duschen, was nach 5 Tagen ohne Hygiene echt nötig war (die armen Patienten wenn wir so zur Arbeit erschienen wären). War die beste Wandertour meines Lebens, hätt nie gedacht das man am Kinneret so viel erleben, sehen kann!

Montag, 18. Mai 2009

Kinneretumrundung 1/2

Ende April hatten wir, das heißt Willi, Krissi, Marvin, Hendrick und ich, vor den Kinneret also den See Genezareth zu um wandern. Wir starteten in Tiberias und wollten einmal im Uhrzeigersinn drum herum wider nach Tiberias. 4 einhalb Tage hatten wir dafür Zeit. Nach der Frühschicht kamen wir so um 8 Uhr in Tiberias an. Nachdem wir unser Gepäck sortiert, Vorräte und andere nicht wegdenkbare Gegenstände (ich hatte meine Zahnbürste vergessen) eingekauft hatten gings los. Wir fingen, am Donnerstagabend an einer Bushaltestelle in der Nähe des Israel Trails an und hatten vor dort spätestens Dienstag Vormittag wider an zu kommen.Die erste Tour ging durch die Nacht. Anfangs durch Wohngebiete, später dann über Felder und Bäche (der Israel Trail halt:-) Irgendwann, wir waren alle schon fertig und auch gut durchgeschwitzt denn unsere Rucksäcke waren ja noch mit allem Kram vollgestopft der natürlich über die Tage verbraucht werden sollte, haben wir einfach auf einem Kornfeld das Zelt aufgeschlagen. Tiberias keine hundert Meter entfernt, so hatte ich das Gefühl. Am nächsten Morgen gings nach einigen Startschwierigkeiten auch los. Tiberias immer noch im Rücken wanderten wir den höchsten Berg am Kinneret rauf. Schon wider durchgeschwitzt. Dafür hatten wir einen enormen Ausblick. Der Abstieg führte uns ein gutes Stück weg vom See. Wir sahen dabei Bergkühe, Höhlen aus den Zeiten des Jüdischen Aufstandens gegen die Römer in welchen sich damals die Juden auch verschanzten und kämpften. Am Berghang rasteten wir an einem Bach und kühlten unsere jetzt schon rauchenden Füße. Die ganze Zeit kamen freie Pferde und Kühe an uns lang spaziert. Als wir wider den Kinneret erreichten waren wir von Tiberias nur ein paar Kilometer entfernt und sind unsern Ziel, der Umrundung nur ein wenig näher gekomm. Wir legten eine Falafelpause ein, solange es noch Geschäfte gab nutzen wir sie. Willi machte etwas Druck das wir weiter gehn müssten, denn er sah es schon kommen das wir die Umrundung nie schaffen würden. Also gingen wir jetzt direkt am See entlang was aber auch nicht sehr klug war denn Schlamm, und Seegras (dieses Zeugs was am Ufer wächst...) hielten uns ganz schön auf. Als wir eine Badepause einlegten, es wurde bereits schon wider dunkel, waren wir immer noch nicht sehr weit von Tiberias entfernt. Diese Stadt fing an mich zu nerven, denn immer wenn ich sie sah dachte ich, dass wir, obwohl wir so viel gewandert waren kein Stückchen Strecke geschafft hätten. Nachm Baden (mein erstens Mal im Kinneret, damit hatte ich alle Israelischen Meere innerhalb 2 Wochen abgeklappert) gings weiter auf der Suche nach nem geeigneten Schlafplatz. So schafften wir doch noch ein ganz gutes Stückchen Strecke, vorbei an Tabgha und anderen christlichen Sehenswürdigkeiten. An den vorbeikommenden und durchquerenden Plantagen frischten wir unsere verbrauchte Energie immer wider auf. Herrlich einfach so Bananen vom Baum zu pflücken und in den Mund zu stopfen. Ein Paradies für mich, der ich mein halbes Gehalt immer für Bananen ausgebe. Irgendwann fanden wir dann neben einer Orangenplantage (leider war grad keine Orangenzeit, obwohl die am Kinneret bestimmt 5 mal im Jahr ernten) einen geeigneten Platz. Dort machten wir Feuer, grillten Pitas mit Käse und Tomaten (jap son Luxus hatten wir) und sogar Backbananen mit Schokolade, herrlich. Am nächsten Morgen als ich den Zelteingang aufmachte, bemerkten wir das wir in der Nacht beobachtet wurden. Da saßen ohne Witz 100 wenn nicht mehr Murmeltiere oder was das sonst für Dinger sind und starten uns an. Hört sich komisch an aber wirklich alle diese Tiere starten uns an ob wenn sie das Volk Israel und wir 5 Messiasse wären! Auf unseren weiteren Weg, der nun ein gutes Stück an der Straße entlang ging sahen wir noch mehrere dieser Tiere. Außerdem riesige Kakteen und anderen coole Sachen. Nach einiger Zeit kamen wir endlich am Jordan an. Sofort gingen wir baden, nachdem wir ein paar coole Bilder gemacht hatten. Marvin schwatzte mir sein weißes Hemdchen auf und als ich es anzog, mein davor gefundenen Wanderstab in die Hand nahm und meine Schuhe auszog war ich für den Rest des Tages nur noch Johannes der Täufer! Daher war klar das wir im Jordan dann auch eine Taufe durchführen mussten. Die starke Strömung führte aber dazu das meine Täuflinge einfach nach dem Untertauchen wegtrieben. Daher konnten wir nur um zu baden 100 m weiter oben am Fluss in die Strömung springen und uns treiben lassen. Äste und Steine unter der Wasseroberfläche, die man davor leider nicht gesehen hatte bescherten mir schöne Kratzer. Danach ging es weiter und wir kauften bei einem Eiswagen teures Wasser. Es war Shabbat und alle Läden hatten bis jetzt zu gehabt und unsere Vorräte neigten sich dem Ende. In der größten Mittagshitze machten wir einen weiteren riesigen Umweg nach Betsaida den Ort der Berufung von Johannes und Andreas. Dort waren außer Ruinen nichts zu sehen. Trotzdem hatten wir unseren Spass. Wir zertrümmerten unter anderem mein Gewürzeglas, aßen unsere letzten Suppen, veranstalteten ne fette Wasserschlacht, nutzten die öffentlichen sanitären Einrichtungen (das beste überhauptnach 2 Tagen in der Natur) und spielten nen geiles Steinwurfspiel. Dabei warf ich meinen Stein erst auf eine Stromleitung herauf (unglaublich, wann bleibt ein Stein schon einmal auf einem Stromkabel in der Luft liegen) und Willi traf später den gleichen kleinen Stein sodass er wider runter fiel. Hört sich vielleicht dumm an war aber nur lustig. Als wir wider auf der Straße waren ging es gleich wider runter und weiter durch den Betsaida Nationalpark. Ein Park durch ein Wadi. Nur mit einem 2. Paar Schuhe zu begehen wurde im Reisführer empfohlen. Wir gingen einfach so durch und es war echt nen Erlebnis mit riesigen, schweren Rucksäcken durch Flussbätte zu latschen, das Wasser manchmal bis zu den Knien. Außerdem war dieses Wadi auch noch kleine Abkürzung und mal eine Abwechselung zur Straße. Als wir die Straße wider erreichten ging bereits die Sonne über Tiberias unter. 2 Sachen die nicht sehr toll waren. Tiberias halt, weil es einfach bei einer Kinneretumrundung immer zu sehen ist und unbeschreiblich nervig auf mich wirkte und das die Sonne schon unterging, denn wir hatte noch eine ordentliche Strecke vor uns. Wir wanderten also weiter, mindestens bis zur nächsten Tankstelle wollten wir um endlich wider etwas Essen und Trinken einkaufen zu können. Als wir im Stockdunkeln endlich die Tankstelle erreichten waren wir echt am Ende, es ging nichts mehr. Und dann folgte der Hamma den ich nie vergessen werde. Tankstelle wegen Umbauarbeiten geschlossen. Die einzige Tankstelle weit und breit, wie kann das angehen? Wir waren echt am Ende. Psychisch und Physisch. Marvin und ich haben uns dann aufgemacht und sind zu einem Hotel in der Nähe gerannt. Leider ließ uns der Shomer also der Sicherheitsmann nicht durch. Eventuell weil wir davor auf eine Palme in der Hotelauffahrt geklettert sind um ein Foto zu machen. Nach langer Diskussion auf Hebräisch sind wir dann abgezogen um von der Seite übern Zaun zu steigen (so sehr trieb uns der Hunger). Wir waren auf einem verlassenen, alten Campingplatz. Übern Zaun steigen und ins Hotel sozusagen ein zu brechen wäre echt dreist gewesen. Wir suchten daher lieber in der Nähe nach Menschen. Wir fanden auch 2 Israelis die grillten und weil wir so Mitleidserregend und Schäbig aussahen gaben sie uns 2 Pitas. Nachdem wir erwähnten wir wären 5 arme, hungrige Volontäre gaben sie uns sogar 6 Brote. Ein Luxus. Wir lernten Brot richtig schätzen. Wir rannten nur voller Freude zurück, aßen und genossen jeder sein Brot. Danach ging es weiter. Immer an der Straße entlang und immer Tiberias im Blick, sogar bei Nacht.Wir gingen dann bis zu ner Kreuzung an der uns um 23 Uhr ein Bus nach Gamla mitnahm, denn wir hatten einen weiteren Abstecher geplant. Nachdem wir mitten in der Pampa herausgelassen wurden, einen Zeltplatz gefunden und das Zelt aufgebaut hatten war es locker 2 Uhr Nachts. Wir fielen alle hungrig, müde und durstig ins Bett. Wollte mein Wasser erst sparen (1/5 l) verbrauchten ihn dann doch zum Zähne putzen. Wie sollte es bloß morgen weiter gehen?

Mittwoch, 13. Mai 2009

Unsere WG ist gewachsen, schon wieder und nocheinmal

So nun der dritte Eintrag zum Thema WG Wachstum. Wir waren erst 4 Jungs. Im Februar kamen Angela und Elena. Im März Nina und nun Ende April Lewis dazu. Wir sind nun mehr voll belegt. 8 Leute bei 8 Betten. Es ist ziemlich eng. Lewis ist ein orthodoxer Jude aus England der für 5 Wochen sein Praktikum zur Vollendung seines Physiotherapiestudiums bei uns im Alyn macht. Alles sehr interessant. Das erste Problem war die erneute Zimmeraufteilung. Ein wenig ätzend, dass 2. mal innerhalb eines Monats. Das zweite weitaus größere Problem ist, da er orthodox ist, isst er nun mal auch kosher. Das ist in unserer WG aber leider nicht möglich. Er benutzt nur Plastikgeschirr und hat seinen eigenen neuen Topf bekommen. Das dritte Problem ist sein Akzent, boah so krass man muss sich richtig konzentrieren um sein britisch Englisch zu verstehen. Doch alles andere läuft prima. Hab jetzt ein Zimmer mit Jonas zusammen. Es läuft super, wir verstehen uns blendend. Lesen meistens bis spät Nachts. Ist nur nervig wenn er ausschlafen könnte und ich zur Frühschicht muss. Oder man von der Nachtschicht kommt und der andere dann schon um 10 Uhr aufsteht. Aber damit muss man auch leben, WG Leben formt einen für die Zukunft, aber ganz schön ordentlich.
Lewis ist super nett. Ich dachte der betet den ganzen Tag nur und studiert die Torah. Ganz im Gegenteil sein Hobby ist Fußball (Engländer). Am ersten Tag haben wir uns 2 Minuten unterhalten und er hat sich gleich mal mein Fahrrad ausgeliehen. Am 3. Tag kam er zu mir und meinte, weil er ja in der Physiotherapie arbeitet, ob ich nicht Lust hätte mit ihn in den Therapiepool zu kommen und mit ein paar behinderten Kindern zu schwimmen. Er meinte weil es sein erstes Mal wäre und ich wohl so aussähe ob wenn ich gerne schwimmen gehe. Ein Gebet wurde erhört. Ein halbes Jahr versuchen wir nun schon in den Pool zu kommen und er ist 3 Tage im Alyn und kann ohne weiteres jede Woche oder jeden Tag in den Pool. Hab dann noch Jonas Bescheid gesagt und los gings. Erst ne Runde geplanscht und Lewis bei der "Arbeit" zugesehen (wat nen Traumjob). Danach, als die Kinder draußen waren gings richtig los. Basketball im Wasser, 2 gegen 2 mit dem Bademeister. Ein Spass, unbeschreiblich. Wir waren so begeistert. Mussten danach erstmal ein Foto von uns für alle anderen neidischen WG Kollegen schießen lassen. Am selben Abend waren wir noch in ner Kneipe mit ihm. Ein anderes mal Fußball spielen...
Herrlich WG Leben macht Spass!

Dienstag, 12. Mai 2009

Sofabeschaffung

Ich bin nach einem nächtlichen Besuch bei Hanni mit dem Fahrrad aus der German Colony zu uns ins Alyn gefahrn. So um 2 Uhr. Hab mich mehrmals verfahren, gefroren wie n Schneider mit nur ner kurzen Hose und nem Pullover und nen riesigen Abschnitt nur Bergauf gefahren. Zum Glück denn in unserem Stadtteil stand da plötzlich ein Sofa an der Straße. Ich war zwar so müde und hatte auch wieder Frühschicht aber mir war schon beim vorbeifahren klar, dass ich nochmal zurück kommen muss um das Sofa zu holen. In der WG waren dann tatsächlich auch noch Angela und Willi wach. Nachdem ich sie überredet hatte sind wir dann auch um halb 3 oder so losgekomm. Das Sofa war klitschnass und demnach auch entsprechend schwer. Wir haben etwas länger gebraucht, öfters Pause gemacht und Angela hatte Schiss vor den Kojoten. 100 Meter vor uns lief einer über die Straße und es hörte sich die ganze Zeit so an als ob wir von einer Herde von Kojoten verfolgt würden. Wir mussten es dann nur noch die Treppen hochschleppen.

Auf jeden Fall haben wir jetzt ein neues Sofa im Alyn. Mein neuer Stammplatz:-)

Montag, 11. Mai 2009

Die Größe Gottes

Wie groß ist eigentlich Gott? Ein kleiner Größenvergleich...
Und der HERR führte Abram aus dem Zelt und sagte: »Sieh hinauf zu den Sternen am Himmel! Kannst du sie zählen? So unzählbar werden deine Nachkommen sein.

Ich mache deine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne am Himmel und gebe ihnen dieses ganze Land. Bei allen Völkern der Erde wird man dann zueinander sagen: 'Gott segne dich wie die Nachkommen Isaaks!

Ich finde Abraham hat einen guten Deal gemacht.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Hauskreis

Hatte ja schon im letzten Eintrag erwähnt das ich nach dem Holocaustgedenktag noch was vorhatte mit dem ganzen Technikkram in der Tasch. Bin also nach der Nachtschicht und nach der Zeremonie, in der ich zum Glück nicht eingeschlafen bin, nach Gilo gefahren. Es war Dienstag und am Mittwoch hatte unser Hauskreis eine Präsentation, für die wir ein kleines wenig Vorbereitung brauchten. Wir hatten drei verschiedene Hauskreise von der jeder einen der drei großen Könige Israels zu bearbeiten und präsentieren hatte. Wir als Hauskreis Gimmel hatten Saul und mussten zum Glück nicht als erstes präsentieren, warum weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall hatten wir uns entschieden ein Film über Saul zu drehen. Im Endeffekt hatten wir drei Monate Zeit dazu und nichts geschafft. Daher musste wir am letzten Tag alles machen, was man in drei Monaten eigentlich hätte machen sollen. Zusätzlich haben wir nur zu 2. alles gemacht. Ein guter Zeitpunkt um zu erwähnen das sich mein Hauskreis aufgelöst hat, eine Erleichterung denn als Hauskreisleiter hatte ich echt nicht viel Freude und nur Arbeit daran. Jetzt durfte ich mir einen Hauskreis aussuchen in dem ich einfach nur als Teilnehmer sitzen darf. Herrlich.
Zurück zum Thema Saul. Wir sind dann spontan ohne Plan rausgegangen und haben einfach ein paar sinnlose Szenen gedreht mit Digicam ohne Stativ und allem...ahhh die Präsentation konnte nur peinlich werden. Filmtechnisch natürlich ebenso. Als wir fertig waren habe ich Anna bei der Spätschicht zu gesehen und nebenbei den Film geschnitten. Um 11 Uhr oder so bin ich dann nach Hause weil ich sonst den Bus nicht mehr bekommen hätte. Außerdem musste ich auch noch Frühschicht arbeiten. Als ich zu Hause ankam und bis ich ins Bett bin hatte ich fast 42 Stunden am Stück nicht gepennt. Ich war echt fertig. Nach 4 Stunden sehr nötigen Schlaf, war so müde ich hab sogar am Abend davor im Bus Laptop angemacht weil ich sonst eingepennt wäre, hatte ich ne "angenehme" Frühschicht. Hatte bevor ich zum Hauskreis ging nicht mal mehr Zeit zum duschen, am Tag davor sowieso nicht. Präsentation hat alles suuupa hingehauen, dafür das wir nur einen Tag an Arbeit investiert hatten. Unser Abschnitt der Präsentation lief gut. Ingrid und Olga haben uns unterstützt da von unseren Hauskreis nur 3 Leute übrig geblieben sind, die sich für eine Präsentation verantwortlich gefühlt hatten. Wie gesagt unser Hauskreis extstiert ja aus bestimmten Gründen auch nicht mehr! Als alles vorbei war bin ich so froh nach Haus gefahrn. Herrlich Gott hat mal wieda voll Segen fließen lassen, denn so schlecht ist das Video doch nicht geworden, man bedenke an nur einem Tag und ohne irgendwelche Ideen und Anweisungen. Aba seht euch selbst einen Ausschnitt an. Saul und David, Samuel wurde für diese Version rausgeschnitten. Viel Spass.

Vielleicht direkt bei Youtube unter diesem Link
http://www.youtube.com/watch?v=JEVvxmEeo_U
ansehen denn irgendwie hat sich das alles verschoben aufm Blog hier.

Freitag, 1. Mai 2009

Jom haScho'a / Holocaust-Gedenktag

Nach jüdischer Tradition beginnen die Feierlichkeiten mit Sonnenuntergang am 27. Nisan des jüdischen Kalenders und enden am Abend des nächsten Tages. Ich musste in dieser Nacht arbeiten. Während Jom haScho'a sind sehr viele öffentliche Einrichtungen in Israel geschlossen, im Fernsehen und Radio laufen keine Unterhaltungsendungen, sondern Trauermusik oder Dokumentationen zum Holocaust. Alle Fahnen wehen auf Halbmast. Während der Nachtschicht habe ich unter anderem Anne Frank, der Pianist und unendlich viele Dokus gesehen. Zur Eröffnungszeremonie am Abend wurden 6 Fackeln entzündet, die symbolisch für die 6 Millionen jüdischen Opfer des Holocaust stehen. Das konnte man live im Fernsehen verfolgen. Es war schon komisch den man kennt die ganzen Orte die man in Deutschland halt nur im Fernsehen sehen kann jetzt. Außerdem liegt Yad Vashem auf der anderen Seite unseres Tals. Wir können den ausgestellten Eisenbahnwagon sehen.
Morgens um 7 Uhr, nach der Nachtschicht, sind wir mit ein paar Leuten aus der WG nach Yad Vashem der Holocaust Gedenkstätte aufgebrochen. Ohne Schlaf, total fertig und den Rucksack voll mit Kameras, nem Laptop, Festplatten und Kabeln, ich hatte danach noch etwas vor. Wir waren zur Gedenkveranstaltung in Yad Vashem angemeldet. Ich hatte es verpennt und mich erst den Abend davor angemeldet. Hätt ich es früher gewusst, dann hatte ich versucht die Nachtschicht zu verschieben aber das ging ja nun jetzt nicht mehr. Ich war also total müde und schon fertig als wir in Yad Vashem ankamen. Hoffentlich penn ich nicht weg dachte ich nur. Es war so übel durch die ganzen Sicherheitsvorkehrungen durch zu kommen. Gut das wir als angemeldete Gruppe da waren. Wir wurden in Kleinbusse geladen und vom Mt. Herzl runter nach Yad Vashem gebracht. Da begannen dann die richtigen Kontrollen. Alles auspacken und ich mit meinen ganzen Technikkram musste mir die ganze Zeit die gleichen Fragen anhören, wieso, weshalb, warum. Ob ich Waffen dabei hätte, mit wem ich hier wäre, was ich hier wolle...ätzend. Aber man stelle sich vor da passiert wirklich mal etwas. Als wir drin waren ging es auch gleich los. Im gesamten Land heulen um 10 Uhr für 2 Minuten die Sirenen. Der öffentliche Nahverkehr und normalerweise auch alle anderen Fahrzeuge halten an, die meisten Passanten bleiben schweigend stehen. So auch in Yad Vashem. Ich wollte eigentlich während des Geschehens erst zu einer großen Kreuzung gehen und filmen. In Yad Vashem filmte ich auch erst hörte aber auf als ich bemerkte das alle Leute um mich herum, ich stand etwas weiter vorne als unsere Gruppe, weinten. Neben mir stand ein alter Mann der so heftig weinte das ich einfach nur die Kamera ausmachte und meinen Kopf senkte. Hier das Video.

Ich als Deutscher mitten zwischen Veteranen, KZ-Überlebenden und Angehörigen der 2. und 3. Generation. Kann gar nicht in Worte fassen wie ich mich fühlte. Zu Füßen der 6 Fackeln in Yad Vashem wurden Kränze von Vertretern verschiedener Institutionen und Gruppen Überlebender niedergelegt. Deswegen waren wir auch da. An Anfang legte zum Beispiel die Knesset oder Jerusalem Kränze nieder. Benjamin Netanjahu, Simon Peres und Nir Barkat waren alle da. Alle Fahnen wehten auf Halbmast. Nachdem die Politiker und prominenten Leute ihre Kränze niedergelegt hatte verschwanden sie und auch alle Reporter und Fernsehteams. Sogar die Scharfschützen packten ihre Sachen ein. Dann kamen andere Gruppen. Wir waren Nummer 88. Spontan wie die ganze Aktion für mich sowieso schon war durfte ich dann nachher sogar noch mit nach vorne gehen und den Kranz niederlegen.Die ganze Zeremonie werd ich niemals vergessen.