Ende April hatten wir, das heißt Willi,
Krissi,
Marvin,
Hendrick und ich, vor den
Kinneret also den See
Genezareth zu um wandern.

Wir starteten in
Tiberias und wollten einmal im Uhrzeigersinn
drum herum wider nach
Tiberias. 4 einhalb Tage hatten wir dafür Zeit.

Nach der Frühschicht kamen wir so um 8 Uhr in
Tiberias an.
Nachdem wir unser Gepäck sortiert, Vorräte und andere nicht wegdenkbare Gegenstände (ich hatte meine Zahnbürste vergessen) eingekauft hatten
gings los. Wir fingen, am Donnerstagabend an einer Bushaltestelle in der Nähe des Israel
Trails an und hatten vor dort spätestens Dienstag Vormittag wider an zu kommen.

Die erste Tour ging durch die Nacht. Anfangs durch
Wohngebiete, später dann über Felder und Bäche (der Israel
Trail halt:-) Irgendwann, wir waren alle schon fertig und auch gut durchgeschwitzt

denn unsere Rucksäcke waren ja noch mit allem Kram vollgestopft der natürlich über die Tage verbraucht werden sollte, haben wir einfach auf einem Kornfeld das Zelt aufgeschlagen.
Tiberias keine hundert Meter entfernt, so hatte ich das Gefühl. Am nächsten Morgen
gings nach einigen Startschwierigkeiten auch los.
Tiberias immer noch im Rücken wanderten wir den höchsten Berg am
Kinneret rauf. Schon wider durchgeschwitzt. Dafür hatten wir einen enormen Ausblick.

Der Abstieg führte uns ein gutes Stück weg vom See. Wir sahen dabei Bergkühe, Höhlen aus den Zeiten des Jüdischen
Aufstandens gegen die Römer in welchen sich damals die Juden auch verschanzten und kämpften. Am Berghang rasteten wir an einem Bach und kühlten unsere jetzt schon rauchenden
Füße.

Die ganze Zeit kamen freie Pferde und Kühe an uns lang spaziert. Als wir wider den
Kinneret erreichten waren wir von
Tiberias nur ein paar Kilometer entfernt und sind unsern Ziel, der
Umrundung nur ein wenig näher
gekomm. Wir legten eine
Falafelpause ein, solange es noch Geschäfte gab nutzen wir sie. Willi machte etwas Druck das wir weiter
gehn müssten, denn er sah es schon kommen das wir die
Umrundung nie schaffen würden. Also gingen wir jetzt direkt am See entlang was aber auch nicht sehr klug war denn Schlamm, und Seegras (dieses Zeugs was am Ufer wächst...) hielten uns ganz schön auf.

Als wir eine Badepause einlegten, es wurde bereits schon wider dunkel, waren wir immer noch nicht sehr weit von
Tiberias entfernt. Diese Stadt fing an mich zu nerven, denn immer wenn ich sie sah dachte ich, dass wir, obwohl wir so viel gewandert waren kein Stückchen Strecke geschafft hätten.
Nachm Baden (mein erstens Mal im
Kinneret, damit hatte ich alle Israelischen Meere innerhalb 2 Wochen abgeklappert)
gings weiter auf der Suche nach
nem geeigneten Schlafplatz.

So schafften wir doch noch ein ganz gutes Stückchen Strecke, vorbei an
Tabgha und anderen christlichen Sehenswürdigkeiten.

An den vorbeikommenden und durchquerenden Plantagen
frischten wir unsere verbrauchte Energie immer wider auf. Herrlich einfach so Bananen vom Baum zu
pflücken und in den Mund zu stopfen. Ein Paradies für mich, der ich mein halbes Gehalt immer für Bananen ausgebe. Irgendwann fanden wir dann neben einer Orangenplantage (leider war
grad keine Orangenzeit, obwohl die am
Kinneret bestimmt 5 mal im Jahr ernten) einen geeigneten Platz. Dort machten wir Feuer, grillten
Pitas mit Käse und Tomaten (
jap son Luxus hatten wir) und sogar
Backbananen mit
Schokolade, herrlich.

Am nächsten Morgen als ich den Zelteingang aufmachte,
bemerkten wir das wir in der Nacht beobachtet wurden. Da
saßen ohne Witz 100 wenn nicht mehr
Murmeltiere oder was

das sonst für Dinger sind und starten uns an. Hört sich komisch an aber wirklich alle diese Tiere starten uns an ob wenn sie das Volk Israel und wir 5
Messiasse wären! Auf unseren weiteren Weg, der nun ein gutes Stück an der
Straße entlang ging sahen wir noch mehrere dieser Tiere. Außerdem riesige Kakteen und anderen
coole Sachen. Nach einiger Zeit kamen wir endlich am Jordan an. Sofort gingen wir baden, nachdem wir ein paar
coole Bilder gemacht hatten.

Marvin schwatzte mir sein weißes
Hemdchen auf und als ich es anzog, mein davor gefundenen Wanderstab in die Hand nahm und meine Schuhe auszog war ich für den Rest des Tages nur noch Johannes der
Täufer! Daher war klar das wir im
Jordan dann auch eine Taufe durchführen mussten. Die starke
Strömung führte aber dazu das meine Täuflinge einfach nach dem Untertauchen wegtrieben.


Daher konnten wir nur um zu baden 100 m weiter oben am Fluss in die Strömung springen und uns treiben lassen. Äste und Steine unter der Wasseroberfläche, die man davor leider nicht
gesehen hatte bescherten mir schöne Kratzer.

Danach ging es weiter und wir kauften bei einem Eiswagen
teures Wasser. Es war
Shabbat und alle Läden hatten bis jetzt zu gehabt und unsere Vorräte neigten sich dem Ende. In der größten Mittagshitze machten wir einen weiteren riesigen Umweg nach
Betsaida den Ort der
Berufung von Johannes und Andreas.

Dort waren außer Ruinen nichts zu sehen. Trotzdem hatten wir unseren
Spass. Wir zertrümmerten unter anderem mein Gewürzeglas, aßen unsere letzten Suppen, veranstalteten
ne fette Wasserschlacht, nutzten die öffentlichen sanitären Einrichtungen (das beste überhauptnach 2 Tagen in der Natur) und spielten
nen geiles Steinwurfspiel. Dabei warf ich meinen Stein erst auf eine Stromleitung herauf

(unglaublich, wann bleibt ein Stein schon einmal auf einem Stromkabel in der
Luft liegen) und Willi
traf später den gleichen kleinen Stein sodass er wider runter fiel. Hört sich vielleicht dumm an war aber nur lustig. Als wir wider auf der Straße waren ging es gleich wider runter und weiter durch den
Betsaida Nationalpark. Ein Park durch ein Wadi. Nur mit einem 2. Paar Schuhe zu begehen wurde im Reisführer
empfohlen. Wir gingen einfach so durch und es war echt
nen Erlebnis mit riesigen, schweren Rucksäcken durch
Flussbätte zu latschen, das Wasser manchmal bis zu den Knien.

Außerdem war dieses Wadi auch noch kleine Abkürzung und mal eine Abwechselung zur Straße. Als wir die Straße wider erreichten ging bereits die Sonne über
Tiberias unter. 2 Sachen die nicht sehr toll waren.
Tiberias halt, weil es einfach bei einer
Kinneretumrundung immer zu sehen ist und
unbeschreiblich nervig auf mich wirkte und das die Sonne schon unterging, denn wir hatte noch eine ordentliche Strecke vor uns.

Wir wanderten also weiter, mindestens bis zur nächsten
Tankstelle wollten wir um endlich wider etwas Essen und Trinken einkaufen zu können.

Als wir im
Stockdunkeln endlich die Tankstelle erreichten waren wir echt am Ende, es ging nichts mehr. Und dann folgte der
Hamma den ich nie vergessen werde.

Tankstelle wegen Umbauarbeiten geschlossen. Die einzige Tankstelle weit und breit, wie kann das angehen? Wir waren echt am Ende. Psychisch und Physisch.
Marvin und ich haben uns dann aufgemacht und sind zu einem Hotel in der Nähe gerannt. Leider ließ uns der
Shomer also der
Sicherheitsmann nicht durch. Eventuell weil wir davor auf eine Palme in der Hotelauffahrt geklettert sind um ein Foto zu machen. Nach langer Diskussion auf Hebräisch sind wir dann abgezogen um von der Seite
übern Zaun zu steigen (so sehr trieb uns der Hunger). Wir waren auf einem verlassenen, alten Campingplatz.
Übern Zaun steigen und ins Hotel sozusagen ein zu brechen wäre echt dreist gewesen. Wir suchten daher lieber in der Nähe nach Menschen. Wir fanden auch 2 Israelis die grillten und weil wir so Mitleidserregend und Schäbig aussahen gaben sie uns 2
Pitas. Nachdem wir erwähnten wir wären 5 arme, hungrige
Volontäre gaben sie uns sogar 6 Brote. Ein Luxus. Wir lernten Brot richtig schätzen. Wir rannten nur voller Freude zurück, aßen und genossen jeder sein Brot. Danach ging es weiter. Immer an der Straße entlang und immer
Tiberias im Blick, sogar bei Nacht.

Wir gingen dann bis zu
ner Kreuzung an der uns um 23 Uhr ein Bus nach
Gamla mitnahm, denn wir hatten einen weiteren Abstecher geplant. Nachdem wir mitten in der
Pampa herausgelassen wurden, einen Zeltplatz gefunden und das Zelt aufgebaut hatten war es locker 2
Uhr Nachts. Wir fielen alle hungrig, müde und durstig ins Bett. Wollte mein Wasser erst sparen (1/5 l) verbrauchten ihn dann doch zum Zähne putzen. Wie sollte es bloß morgen weiter gehen?