Montag, 29. Juni 2009

Thoraparty

Letztens saß ich in der WG und hab total laute Musik von draußen gehört. Als ich raus bin war die ganze Straße verstopft. Überall Orthodoxe Juden. Alle zogen zu der kleinen Synagoge in unserer Straße. Kein Bus kam mehr durch alles war verstopft. Wie es in Israel so ist trafen wir Deutschsprachige Orthodoxe die uns aufklärten was los sei. Ein junger Orthodoxer hat seiner im Sterben liegenden Mutter versprochen die Tora neu ab zu schreiben. Eine Tora „herzustellen“ ist sehr aufwändig, da sie von Hand geschrieben wird. Dazu wird ein speziell ausgebildeter Schreiber, der Sofer, beauftragt. Ein Sofer benötigt zum Schreiben einer Tora etwa ein volles Jahr. Als Zeichen der besonderen Ehrfurcht vor dem Namen Gottes wird dieser nicht ausgesprochen oder niedergeschrieben. Der Eigenname Gottes wird im Tanach stets als Tetragramm aus den hebräischen Konsonanten Jod (י‎), He (ה‎), Waw (ו‎), He (ה‎) dargestellt. Diese ergeben von rechts nach links gelesen das Wort יהוה‎ „JHWH. Vor jedem Schreiben des Namen Gottes muss eine Reinigung stattfinden. Daher ist es so aufwändig und teuer eine neue Torarolle anfertigen zu lassen. Bei guter Aufbewahrung kann eine Torarolle mehrere hundert Jahre „leben“, das heißt unbeschädigt und damit rituell brauchbar bleiben. Die älteste existierende Torarolle stammt von etwa 900 n.Chr., das heißt 1500 Jahre nachdem die Endfassung der Tora geschrieben worden war. Torarollen, die mechanisch oder durch Abnutzung oder hohes Alter beschädigt und somit unbrauchbar geworden sind, werden aus Respekt nicht weggeworfen, sondern in einer Genisa aufbewahrt oder auf einem jüdischen Friedhof begraben. Zum Toraschmuck gehören Mappa (Tuch), Me'il (Mantel), Tass (Schild), Jad (Stab) und Kether (Krone) oder je nach Anlass ein spezieller Aufsatz, Rimonim (Granatapfel). Beim Tod der Mutter war die Torarolle erst halb fertig, weil die finanzielle Mittel fehlten. Als Bekannte und Verwandte auf der Beisetzung mit bekamen was der Sohn der verstorbenen vorhatte, unterstützten sie ihn finanziell. Also konnte er die Rolle fertig stellen und schenkte sie gerade dieser Synagoge welche die Mutter immer besuchte, also die kleine in unserer Straße. Watt eine Geschichte. Lukas und ich sind dann mal ganz dreist einfach mit in die Synagoge rein, obwohl wir keine Kippas hatte (wir haben welche bekommen von irgendwelchen Orthodoxen) und haben ein wenig von den Feierlichkeiten mit bekommen. Wie sich die Juden freuten über diese Schriftrolle. Sie tanzten mit ihr im Arm, sangen, sprangen. Es war so heftig heiß in dem kleinen Raum aber das machte niemanden etwas aus. Da hat man mal mit bekommen wie heilig eine Torarolle für die Juden ist. Was für eine Ehrfurcht davor besteht. Man geht nun ganz anders damit um wenn man hört das im Holocaust die Deutschen Juden zwangen auf die Tora zu spucken. Verständlich das viele lieber starben als das zu tun. Wie weh muss es getan haben als in der Reichskristallnacht etliche Torarollen verbrannt wurden...unglaublich. In der Erinnerung daran war es also ein ganz besonderes Erlebnis für mich als Deutschen, mitten in Jerusalem, in einer kleinen Synagoge, bei der Feier einer neuen, für Gott geweihten Torarolle.







Hier das Video davon, hatte leider nur Digitalcamera am start.

Strandtag

Hanni und ich sind zusammen am Samstag nach dem Sabbat mitm Bus nach Ashdod getourt. Nach Sabbat bedeutete, dass wir also erst gegen Abends dort ankamen. Es war bullig heiß. Wir haben nach längeren Suchen einen Laden, wo wir noch was einkauften und auch den Weg zum Strand gefunden. Dort ließen wir uns bei einer alten Ruine nieder, sammelten Feuerholz und schlugen unser Lager auf. Wir hatten ordentlich Verpflegung mit. Das Feuer wurde ordentlich groß und somit auch immer wärmer. Wir saßen da mitten in der Nacht in Boxershorts und schwitzten trotzdem. Die Ameisen störten richtig. Es waren riesen Viecher die, wie ich manchmal dachte nicht nur hinter unseren Vorräten sondern auch hinter uns her waren. Andauernd wurde ich gebissen, Hanni schmeckte ihnen nicht ganz so gut. Irgendwann konnt man dann aber trotzdem schlafen. Am nächsten Morgen wurden wir vom Schweiz und klebrigen Sand geweckt der irgendwie den Weg in den Schlafsack gefunden hatte. Hanni ging es wohl nicht so gut, auf jeden Fall erwähnte er so was. Irgendwann sprang er dann auf und torkelte davon. Ich hörte nur noch Geräusche die nicht sehr verheißungsvoll klangen. Als er wiederkam hatte er sich wirklich übergeben. Die Avocado vom Vorabend war eventuell Schuld, wohl er die Avocado in der Verbindung dessen was wir so gegessen haben. Möglicherweise auch die XL Energy Drinks in 500ml Dosen (normalerweise reicht eine 250 ml pro Tag locker)! Kurze Zeit später gings ihm noch dreckiger und dann auf einmal spritzten die Magen und Darminhalte aus allen Körperöffnungen die zur Nahrungsauf- und Abgabe geeignet sind. Boi, es war ziemlich heftig. Hanni wollte nur noch ins Meer und sich und seine Hose die er anbehalten hatte erstmal zu waschen. Als ich unsere ganzen Sachen an den Strand trug bemerkte ich die zahlreichen Leute die schon so früh am Morgen da waren und registrierte das Hanni nicht ungesehen zum Meer gelangen könnte, der arme. Irgendwann saß er aber trotzdem im Wasser. Wir legten uns an den Strand denn es war ja noch früh am Morgen, daher hielten wir das Eincremen noch nicht für nötig. Irgendwann um 13 Uhr wurde ich durch den Anruf eines Patienten geweckt. Da merkte ich schon wie mir alles wehtat. Und tatsächlich wir hatte die ganze Zeit in der übelsten Mittagssonne gepennt und sahen aus wie 2 überreife Tomaten. Jede Bewegung tat tierisch weh, vor allem im Gesicht denn ich hatte auf dem Rücken gepennt, ohne sich etwas, so wie Hanni, über den Kopf zu legen. Hanni hatte dafür ein Adruck von seinen Armen die er auf seinen Bauch liegen hatte. Dank Eitan der angerufen hatte sind wir nicht ganz verbrannt worden. Wir waren aber zu nichts mehr fähig. Konnten nicht mal Beachball spielen. Irgendwann am Nachmittag schlichen wir zurück zur Central Bus Station von Ashdod und fuhren nur schnell zurück ins vertraute, schön kühle Jerusalem. dort hatten wir ersmal nen super geilen Sonnenuntergang. Bei Hanni wurden die Klamotten gewechselt und es ging los zur Abschiedsparty von Rebekka und Felix ins Ilan (Drecksloch, wie es in unser WG liebevoll bezeichnet wird) in Gilo. Nachdem man schon von den kleinsten Bewegungen ins Schwitzen gerieten fuhren wir dann auch schnell. Irgendwann hielten wir ein Taxi an. Die Nacht wurde so was von heiß. Ich schlief total schlecht, halt nur in der Position in der wir auch am Strand schliefen. Alle anderen Körperstellen taten weh. Wieder einmal ist man schlauer geworden. Jetzt reibt man sich immer schön ein auch wenn die Sonne noch nicht so warm ist. Tjaja...

Dienstag, 23. Juni 2009

Tja, so kanns gehen...

Eine Story die schon etwas länger zurück liegt aber trotzdem erwähnenswert ist. Am Freitag gehen wir immer, also wenn wir Zeit haben, zu einer Messinanischen Gemeinde. Der Gottesdienst beginnt um 17 Uhr. Das ist ziemlich unpassend denn ebenfalls der Shabbt beginnt um die Uhrzeit (mittlerweile hat sich der Beginn ein wenig verschoben). Im Klartext bedeutet dies das drei Stunden vor Shabbatbeginn keine Busse mehr fahren. Meisten arbeite ich Frühschicht am Freitag, nachdem ich der Chefin mal gesagt haben das ich gerne zum Gottesdienst gehen würde. Das bedeutet man muss zu Fuß, mit dem Taxi oder halt mitn Rad in die Stadt düsen. Ich bevorzuge mein tolles Fahrrad, ein Geschenk von Lena (nicht oft genug erwähnbar, danke Lena) mit dem man schneller als der Bus in der Innstadt ist (mein persönlicher Rekord liegt bei 17 Minuten). An einem stürmischen Freitag im März wollte ich nach der Frühschicht zur Gemeinde. Jonas war schon mit ein paar anderen losgefahren, anscheinend hatten sie noch einen Bus bekommen. Es regnete schon den ganzen Tag, ein Wunder hier in Israel, aber ich wollte nicht das so ein seltener Grund wie Dauerregen mich vom Gottesdienst abhält. Also hab ich mir gleich meine Badehose, Schuhe und Klamotten die nass werden durften angezogen. Zum Schutz hatte ich noch eine Mülltüte über. Das Foto entstand bevor ich losfuhr. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass es neben dem Regen auch Arschkalt war. Nach 1 Minute im Freien war ich klitschnass bis auf die Boxershorts. Die restlichen 20 Minuten zur Gemeinde habe ich schon richtig gefroren. In der Gemeinde hab ich alle meine Sachen zum trocknen aufgehangen, aber selbst während des Gottesdienst war es kalt. Als ich zurück fahren wollte regnete es immer noch wie an einem der 40 Tage Regen bei Noha :-) Ich hatte ja keine andere Wahl als mit dem Rad los zu düsen. Es war so übel, mir war noch nie so kalt. Alle Klamotten nass, die Straßen überschwemmt und die Gullis am überlaufen (in Israel sind die Straßen einfach nicht für Regen ausgelegt). Das Wasser kam also nicht nur von oben sonder von allen Seiten durchgehend. Meine Finger und Füße froren so heftig, nicht mal beim Snowboarden bei minus 35° in Norwegen hatte ich so gelitten! Beim fahren hab ich Gott aber trotz allem für den Regen gedankt, was sollte ich auch anderes tun, musste mich irgendwie von den Schmerzen ablenken. Endlich im Alyn angekommen war ich so am Ende. Hab meine Gliedmaßen nicht mehr gespürt. Unter der Dusche kam nach 5 Minuten wider ein Gefühl in die Füße und Finger. Den ganzen Abend taten sie aber dennoch weh. Am nächsten Tag war ich, wie sollte es anders sein, natürlich krank. Aber so richtig. Nach 2 Tagen durchschlafen war ich wider fit. Was ich aus der Sache gelernt habe, die Eltern haben immer Recht. Als es echt total schlimm war und ich nichts mehr machen konnte außer im Bett liegen musste ich dauernd daran denken wie Mama mir in Deutschland immer predigte: "Nimm dir ein paar warme Sachen mit, in Jerusalem kann es auch mal richtig kalt werden." Damals hab ich mir nichts bei gedacht und drüber gelacht. Naja, man lernt nie aus...

Sonntag, 21. Juni 2009

Videos auf dem Blog

Irgendwie ist bei meinen Entwürfen jedes Video nie in voller Größe zu sehen. Daher, einfach ganz nach unten auf den Blog scrollen. Dort befinden sich alle Israelvideos bisher und alle neuen Sachen die kommen werden.

Einkaufen mit Fares

In der Frühschicht fragte Fares mich ob ich mit ihm nicht einkaufen gehen könnte. Natürlich nach der Frühschicht, denn während den Arbeitszeiten kann man mit den Patienten nicht weg gehen. Dafür muss man dann seine Freizeit opfern, und Überstunden bekommt man natürlich nicht dafür. Naja aber was soll man machen wenn niemand anderes mit den Leuten rausgeht und die im Krankenhaus hier schon Wurzeln ansetzen? Außerdem freuen sie sich immer besonders wenn man mit ihnen weg geht. Meistens bekommt man alles ausgegeben was man will weil die so glücklich sind. Es macht Spass und in solchen Ausflügen lernt man die Patienten immer noch mehr kennen und es ist immer was besonderes.

Das war am Donnerstag wo ich keine Zeit hatte. Hab ihm versprochen am Freitag vorm Shabbat und meiner Spätschicht also vor 15 Uhr zu gehen. Problem war ich hatte von Donnerstag auf Freitag auch noch Nachtschicht. Also die dümmste Arbeitssituation die es geben kann. Frühschicht, 8 Stunden Pause, Nachtschicht, 8 Stunden Pause und danach Spätschicht. Unglaublich. Also 6 Schichten die Woche statt 5 und 3 Schichten an 2 Tagen, abgesehen davon das wir eigentlich keine Nachtschichten arbeiten dürfen.

Sorry lass mich grad n bisschen über die Arbeit aus, aber es ist echt schlimm geworden, werd vielleicht später nochmal drauf eingehen. Naja oder jetzt eher gesagt. Nach der Nachtschicht musste ich um 11Uhr zu nem Gespräch mit nem arabischen Worker mit den es die Woche davor crasse Probleme gab. Wer legt nen Gespräch auf 11 Uhr nach der Nachtschicht? Oh man. Fällt mir nebenbei ein, die sind so dreist auf den Sationen geworden das es letztens ein Anruf für Angela Nachts um 2 Uhr gab, mit der Frage ob sie am nächsten Morgen Frühschicht arbeiten könne. OIWAWOI, bei sowas könnt es mir immer hockommen, grade wenn man nie ein Danke oder noch nicht mal seinen beantragten Urlaub bekommt. Oder wenn man einfach so Urlaubstage bekommt ohne zu fragen (die Urlaubstage dürfen nur wir festlegen, eigentlich) was richtig dumm ist denn wir haben ja nur begrenzten Urlaub und ich will den doch nicht unter der Woche haben wenn zb Bekannte kommen und ich dann die ganze Zeit arbeiten müsste...ahhhh mir fällt da echt nichts mehr zu ein.

Egal zurück zu dem Erlebnis mit Fares. Der Typ heitert mich bei allen Unverschämt-und Frechheiten hier immer wider auf ohne groß was zu tun. Daher werd ich immer wenn er fragt was mit ihm machen. Werd zb nächste Woche 5 Tage mit ihm nach Hause, Nazareth, in eine christlich arabische Familie fahren aber dazu dann mal irgendwann mehr.

So zurück zur eigentlichen Story die mit Stress auf der Arbeit, wenig Schlaf und ner echt dummen Situation zu tun hat. Wir sind also in nen Supermarkt weil seine Vorräte alle waren und er genauso wie die Volontäre kein Bock mehr auf den Alynfraß aus der Großküche hat. Wir kauften ordentlich Kram, immer mehr immer mehr. Es dauerte dementsprechend auch länger. Auf einmal merkte ich, son Mist ich hatte etwas im Alyn vergessen. Die ganzen Tage und vor allem der Morgen waren so merkwürdig gewesen das ich vergessen hatte mein morgenetliches Geschäft zu tätigen. Anders gesagt ich musste dringend "groß" aufs Klo. Das Problem war ich konnte nicht ins Alyn zurück (hätt zu lange gedauert), konnte nicht einfach raus und ins Gelände (was sollte ich mit Fares machen den man nicht alleine lassen darf)...? Tja das is mal ne Sch...ß Situation. Fares freute sich nur und fuhr mir durch den ganzen Supermarkt auf der Suche nach ner Toilette hinterher und ließ Kommentare los. Ich fand eine, tja aber mit nem Treppenaufgang. Hatte gehofft das Fares draußen vor der Tür bleibt und ich drin tun könnte was ich nicht lassen kann aber jetzt war da sogar noch ne Treppe und es baute sich immer mehr Druck auf. Fares blieb, gegen seinen Willen, unten stehn mit allen Gepäck und ich rannte einfach nur hoch. Tja HappyEnd ich habs rechtzeitig geschafft und nichts is Schief gegangen, weder bei mir oder Fares. Das Foto als ich ausm Klo rauskam. Auf Heimweg lachten wir immer noch drüber und Fares musste mir versprechen das niemanden zu erzählen. Auf jedem Fall wurde unserem Lieblingsthema wider mal ne Story dazugefügt. Hier nochmal Fares mit Essen für 200 Shekel.

Freitag, 19. Juni 2009

Jom Jerushalajim Video


http://www.youtube.com/watch?v=ANRp6_6nmz0

Montag, 15. Juni 2009

Megastau

Im Mai war ich mit Angela inner Stadt (unteranderem im Hiskiatunnel, damals mein 3. Mal, mittlerweile war ich schon fünf Mal drin:-) auf dem Rückweg zum Hauskreis hielt der Bus auf einmal in der Jaffastreet. Eigentlich nichts besonderes da dort immer Stau ist. Als es nach 10 Minuten aber immer noch nicht weiterging, nach und nach alle Leute ausstiegen, draußen an den Bussen die Massen vorbeizogen und sogar der Busfahrer ausstieg und eine Raucherpause einlegte wurde es sogar uns zu blöd. Als wir ausstiegen sahen wir das Chaos. Die ganze Jaffestreet vollgestopft mit Bussen. Unglaublich. Wir gingen also kurzerhand zum Hauskreis, mit nem kleinen Abstecher übern Shuk denn wir waren sowieso schon spät dran. Angela latschte die ganze Zeit mit ner nassen Hose durch die Stadt weil ich anscheinend vergessen hätte ihr zu sagen das man für den Hiskiatunnel kurze Klamotten brauchte, ich war mir aber sicher es mal erwähnt zu haben. Ein israelischer Tag. Hier ein kleines Video vom Stau in Eile aufgenommen.