
Wir hatten am Wochenende bevor
Lukas nach Deutschland aufbrach ein
letztens mal gemeinsam die Eisdiele in Ein
Kerem besucht und dort am
Shabbat ein fettes Eis
geschlemmt. Bei einen tollen Sonnenuntergang gingen wir los durchs Dörfchen ein
Kerem.

Es wurde natürlich viel gBlödsinn gemacht und die letzte gemeinsame Zeit genossen. Hier ein paar Eindrücke, die meisten Bilder stammen von Matthäus.



Da
Shabbat alle Läden geschlossen sind, in Ein
Kerem aber nicht, ist es dort immer besonders voll und
Menschenüberfüllt. Diese Dorf ist einfach total "
urisch". Kleine Gassen, Läden versteckt in den Häuserecken, viele Pflanzen und andere Dinge die man sonst n
icht überall sieht. Zum Beispiel faule Hunde oder
fleißige Ameisen.


Wir schlenderten durch das herrliche Dorf bis wir auf die Idee kamen einen großen Spielplatz auf zu suchen. Es war schließlich der Abschied von
Lukas oder der letzte Abend den wir genießen konnten. So sind wir zum
Mexiko Park bei uns in der Nähe spaziert. Ein riesiger Spielplatz, paradiesisch. Dort
angekommen erwartete uns eine Horde von kleinen äthiopischen Kindern.

Alle am herumtoben und Quatsch machen. Es dauerte nicht lange und wir waren involviert beim
rumtoben. Als sie dann jedoch anfingen Akrobatik vor zu führen kamen
Hendrik und ich mit unseren paar Tricks auch nicht
mehr hinter her.


Flick Flack und viele andere Dinge waren für die kleinen uns eifersüchtig machenden
Jungs kein Problem. Nachdem wir wir solange rangelten und kämpften bis uns beiden die Luft weg blieb und der Schweiz schon wieder lief gingen wir wieder ins
Alyn. Natürlich nicht ohne ein Gruppenbild zu machen. Das letzte mit
Lukas und einem nicht so begeisterten
Hendrik (
NichtAlyner).

Auf dem Weg kamen wir an einer Bushaltestelle vorbei an der während der
Intifada ein Bus in die Luft flog. Überall in Israel vor allem in Jerusalem hat man diese
Erinnerung und
Gedenkstätten. Immer wieder wird einem bewusst in was für einen Zustand sich dieses Land doch befindet. Die Opfer dieses Anschlages waren auf einem Poster markiert.

Und so wie in Israel an jeder Ecke eines toten gedacht wird kann genausogut auch in der
Westbank an jeder Ecke eine Gedenktafel für erschossene Araber aufgestellt werden. so sieht die Realität hier leider aus.


In der WG überkam uns dann der richtige Kinderwahn, den wir schon ein wenig vom toben auf Spielplatz hatten und wir spielten alte Jungscharspiele. Zum Beispiel das
Zahnarztspiel wo eine Person Mehl im Mund hat, der Patient, und es dem dem Arzt ins
Gesicht spucken muss.


Oder das
Spielchen wo alle blöde Namen auf den Kopf geklebt bekommen und ihre Namen erraten müssen.


Der Abend hatte mich wieder angeregt über die Heimführung der Juden aus aller Welt nach zu denken und mich mit diesem sehr interessanten Thema zu beschäftigen. Die ganzen alten biblischen
Prophezeiungen die dadurch erfüllt worden sind. Die ganzen Wunder die im
Zusammenhang damit geschehen sind. Die Geschichte Gottes mit seinem Volk erlebt man hier so hautnah. Beim herumtoben mit einigen Kindern wird einem bewusst in was für einer spannenden Zeit wir doch leben. Dieses "vor Ort sein" ist, so denke ich, wohl eines der Dinge die es mir so schwer machen wieder nach Deutschland zu gehen. Besser
formuliert die mir meinen Aufenthalt hier in Israel so besonders gemacht haben. Ich
werde es, wohl, im Hinblick auf die unvermeidliche Rückkehr nach Deutschland, richtig vermissen nicht einfach auf die Straße gehen zu können und mir bewusst machen: ich bin in Jerusalem, wo ich die Bibel an beliebiger Stelle aufschlagen und über diese
Stadt lesen kann! Vielleicht hört man die
Bitterkeit ein wenig aus meinen Sätzen raus. Ich könnt heulen...aber ich versuche die letzte Zeit lieber noch richtig zu genießen.
Hab in dem Zusammenhang mal kurz
ne kleine Zusammenfassung der Geschichte der äthiopischen Juden gemacht.
Die
Falascha sind Äthiopier jüdischen Glaubens, die sich als Nachkommen des
Stammes Dan betrachten.
"Ich werde zum Norden sagen: Gib sie her! und zum Süden: Halte sie nicht zurück! Bring meine Töchter vom Ende der Erde..." (Jesaja 43,5-6)Äthiopien liegt geographisch genau südlich Israels. 1985 wurden mit "Operation
Mose" 15 000 Juden aus Äthiopien eingeflogen, durch voreilige Pressemeldung kam die Geheimaktion aber zum Stocken, weswegen 12'000 zurückgelassen werden mussten. 1991 flog die israelische Regierung in der "Operation
Salomo" innerhalb von zwei Tagen 14'087 äthiopische Juden mit 40 Flügen von
Addis Adeba nach Tel Aviv. Diesmal herrscht totale Nachrichtensperre. Ein
EL-
AL Jumbo, der normalerweise 480 Personen fasst, wurde mit 1080 Menschen gefüllt - 10 Babys wurden geboren. Die ankommenden äthiopischen Juden sagten: "Von Generation zu Generation beteten wir:
Trenn uns nicht, o Herr, von den Auserwählten, lass uns sehen, o Herr, das Licht Israels! - nun sind wir hier, Gott hat unser Gebet erhört." Ihre Rückkehr hatte der Prophet Jesaja
jahrtausende vor dem Ereignis vorausgesagt: "An jenem Tag wird es geschehen, da wird der Herr noch einmal seine Hand erheben, um den Überrest seines Volkes, der übrigbleibt, loszukaufen aus ...
Kusch (=Äthiopien)." (
Jes 11,11) "noch einmal": dies war die zweite Aktion in Äthiopien. "Überrest": fast alle in Äthiopien verbliebenen Juden wurden nach Israel gebracht. "Loskaufen" und "Hand des Herrn": Die
Heimholung der
athiopischen Juden war nur möglich durch ein Machtvakuum, das nur für die Dauer eines Wochendes bestand: Die alte Regierung war gestürzt, die
Putschisten waren aber noch nicht in
Addis Adeba eingezogen. Der damalige amerikanische Präsident zahlte ihnen 30 Millionen US-Dollar ("loskaufen"), damit sie sich mit ihrem Einzug nicht allzusehr beeilten. Kaum waren die Juden ausgeflogen, schlossen die Rebellen den Flughafen. Ein äthiopischer
Rabbi sagte bei seiner Ankunft: "Das Kommen des
Messias muss unmittelbar bevorstehen!" Die äthiopischen Juden hielten immer noch Beschneidung und Feste, aber nicht die jüdischen Bräuche, die nach der babylonischen Gefangenschaft aufkamen.