Samstag, 17. Oktober 2009

Simchat Torah

Letztens haben wir Simcha Thora gefeiert, das Freudenfest für die Thora, das Wort Gottes. Dabei tanzen die Orthodoxen alle mit den riesen großen Schriftrollen die sonst meistens immer nur in den Thoraschräncken sind, küssen sie und preisen Gott dafür, dass Er uns Sein wunderbares Wort gegeben hat. Es gab ebenso Thorarollen für die Kinder die bei diesem Fest nicht zu kurz kamen, ebenso wie wir "Heiden" die ebnfalls eingeladen waren die Thorarollen zu tragen, zu tanzen und zu feiern.Wir sind mit dem Auto einer Patientin direkt in die Altstadt gefahren, konnten auf einem Behinderten Parkplatz in der Nähe der Klagemauer parken und so direkt zum Geschehen laufen. Als wir ankamen fanden wir gleich mal Volos aus Petah Tiqwa, Hendrik und Zacharias, die schon ordentlich am tanzen waren. Wir gesellten uns sofort dazu und durften mit den ganzen Orthodoxen an der Klagemauer feiern. Die größten Thorarollen wurden da herumgetragen und wirklich von allen betatscht und geküsst. Irgendwann bekamen wir auch eine Rolle in die Hand gedrückt und durften mit im Kreis laufen. Man ich war schon ein bisschen Stolz so eine krasse Sache in der Hand zu halten. Thorarollen sind einfach unbezahlbar von materiellen Wert. Aber auch so sind die Thorarollen für die Juden ein kleines Heiligtum. Das Gesetz, das für manche Gläubige eine schwere Last oder sogar ein Fluch zu sein scheint, ist für Juden, die das Wort Gottes von Herzen lieben eine große Freude und ein wahrer Segen. Sie sehnen sich danach, ihrem ewigen Gott, der das Gesetz gab, mit ihrem ganzen Leben gehorsam zu sein. "Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein." 2. Mose 19,6. Eine Sache die wir wirklich lernen können und uns an den Juden ein Beispiel nehmen können, das Wort Gottes zu lieben und nicht nur 10 Minuten am Morgen aus Tradition darin zu lesen. Es war mal wieder toll ein jüdisches Fest mit zu erleben was ich noch nicht kannte. Damit ist mein jüdisches Jahr nun auch zu Ende. Ich erinnere mich noch an die Thoralesung in der Synagoge bei meinem Einführungsseminar letztes Jahr im Oktober bei der es um Noha ging. Heutzutage wird viermal wöchentlich aus der Torah gelesen. Am Schabbat-Morgen und -Nachmittag und am Montag und Donnerstag während des Morgengebets. Es sollen keine drei Tage vergehen, ohne daß ein Abschnitt aus der Tora vorgetragen wird. Die Torah ist in 54 Abschnitte, hebräisch - Parascha oder Sidra genannt, eingeteilt. Jedem Schabbat des jüdischen Kalenders wurde eine bestimmte Parascha zugeteilt, deren Eingangsworte (oder andere prägnante Stichworte) dem jeweiligen Schabbat schließlich den Namen geben. Das erste Buch Mosche beginnt zum Beispiel mit den Worten „Bereschit bara Elohim et ha Schamajim we et ha Aretz”, die Bezeichnung dieses Schabbats ist demzufolge „Bereschit”. Die oben genannten 54 Toraabschnitte werden innerhalb eines jüdischen Kalenderjahres vollständig gelesen. Hierbei folgen wir der babylonischen Tradition, also dem einjährigen Lesezyklus. Dem Zyklus folgend wird an Simchat Tora dem Torafreudenfest der letzten Abschnitt des fünften Buch Mosche gelesen und dann direkt von neuem begonnen, um die Kontinuität der Tora zu verdeutlichen. Die Tore-Lesung bildet eigentlich das Herzstück des jüdischen Gottesdienstes.
Hier eine kleine Aufnahme von der Feier an der Klagemauer!

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