Es bildete sich sofort ein Stau und Menschenauflauf. Die Leute standen gebannt an den Absperrungen, viele regten sich auf, dass sie zu spät kämen. Ich machte ein paar Fotos und war ebenso sehr gespannt was passieren würde. Ein in Schutzkleidung eingepackter Bombenentschärfer ging zu dem verdächtigen Objekt. Ein anderer rollte die Technik aus.
Natürlich hoffte ich, dass alles ohne Probleme ablaufen würde aber insgeheim hätte ich mich auch über einen kleinen Knall ohne Verletzte gefreut. Gott sei es gedankt, es passierte nichts. Ich konnte auch nicht sehen ob es nun eine Bombe oder etwas anderes war was gefunden wurde. Auf jeden Fall war es aufregend und ich weiß nicht woher dieses Gefühl kommt, dass ich unbedingt mal so etwas miterleben will. Das ist eigentlich totaler Schwachsinn.
Wie froh und dankbar kann man sein das es im Moment in Israel so ruhig ist und schon so lange nichts mehr passiert ist. Viele sagen leider, dass es das tiefe Luftholen vor einem erneuten Krieg sei. Das klingt vielleicht dumm, aber ich habe das schon sooft in letzter Zeit von so vielen Leuten gehört, die sich darüber ernsthafte Sorgen machen. Wie muss es sein in einem Land auf zu wachsen, welches noch nie ein Jahrzehnt ohne Krieg verlebt hat?
Leider ist ein solches Erlebnis hier nichts Besonderes. Klar ist schon lange nichts mehr passiert, aber es liegt wohl nicht daran, dass es niemand mehr probiert sondern die Israelis immer besser in der Bekämpfung und dem Verhindern solcher Anschläge werden. Eine andere Geschichte die das vielleicht ein wenig verdeutlicht ist einem Volontär von Hagoshrim passiert. Er vergaß seinen Rucksack in dem seine Bibel war in der Innenstadt. Als es ihm ein paar Minuten später auffiel, rannte er zurück. Leider kam er zu spät, denn in diesem kurzen Zeitraum war die Stelle vollkommen abgeriegelt worden und er sah nur noch einen Roboter auf seinen Rucksack zu fahren. Er versuchte noch zu rufen und sie davon abzuhalten, Se Ha Tanach, Se Ha Tanach (Das ist die Bibel, das ist die Bibel) rief er und auch das brachte nichts. Der Roboter schoss auf seinen Rucksack und zerfetzte seine Bibel.
Ich denke wir können es einfach nicht richtig nachvollziehen wie es zu Kriegszeiten im Land aussah. Erst letztens wurde mir wieder eine Geschichte erzählt, von einem Juden der ohne Schutzweste und Stahlhelm nicht zu seinem Haus fahren konnte. Unglaubliche Schicksale, Leid, Vertreibung und Schmerz über Verluste gibt es auf beiden Seiten der Konfliktparteien. Leider wird das all zu oft nicht klargestellt!
Wie kann man hier leben? Ich genieße es als vorübergehender Gast aber wirklich hier zu leben mit der ständigen Gefahr? Hmm...

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