Sonntag, 11. Juli 2010

Jesus Weg (Teil 1)

Ich habe sehr spontan 3 Tage am Stück frei bekommen. Natürlich wollte ich die Zeit nutzen. Leider hatte ich meinen Reiserucksack zwei Tage zuvor verliehen, so dass ich keine Wandertour machen konnte. Irgendwie ergab es sich aber, dass ich „zufälligerweise“ zum Christustreff am Donnerstagabend in die Altstadt fuhr und danach einfach mal am French Hospital hielt. Dort lieh mir Dorly, Ex-Volontärin und Ex-Praktikantin bei Hagoshrim, ihren Reiserucksack. Einer Tour stand nun nichts mehr im Wege, denn eine Idee hatte ich auch schon. Ich wollte den Jesus Weg ablaufen. Ein Wanderweg über einige Wirkungstätten von Jesus. Von Nazareth über den Berg Tabor, En Dor und Tiberias nach Kapernaum und wieder zurück über Kana und Zippori. Die Strecke auf den Tabor wollten Willi und ich damals, also 2009, schon machen. Der Tabor war wohl der Berg der Verklärung von Jesus (Markus 9,2 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie auf einen hohen Berg, nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verklärt). Von weit weg sieht er garnicht so hoch aus, aber es steht ja sogar in der Bibel, dass es ein hoher Berg war. Glaubt mir wenn man mit einem fetten Rucksack raufgeklettert ist es wohl ein großer Berg.Am Freitagmorgen ging es los, Sachen packen, Reiseroute und Busverbindung heraussuchen. Ich fuhr mit dem letzten Bus nach Nazareth. Irgendwie wurde die Zeit immer knapper, vielleicht lag es mal wieder an den israelischen Verkäuferinnen im Supermarkt, die Jahre brauchen um einen Kunden Abzugfertigen. Kein Witz, ich stand schon mal 30-40 Minuten an einer Kasse. Zum Glück diesmal nicht ganz so lange. Trotzdem kam ich nicht rechtzeitig. Ich sah nur einen Bus an der richtigen Plattform. In der Eile fragte ich den Fahrer ob er nach Tiberias fahren würde. Der bejahte, ich packte mein Gepäck in den Stauraum und wollte bezahlen. Da viel mir auf das ich ja nach Nazareth wollte. Zu spät meinte der Fahrer, denn der Bus fuhr grade neben uns los! Also löste ich meine Karte bis Afula um von da hoffentlich noch einen Bus nach Nazareth zu bekommen! Nach 10 Minuten Fahrt sprach mich der Busfahrer an, dass er den Nazareth Bus eben überholt hätte und ich umsteigen könnte. Hatte nun aber schon 40 Shekel bezahlt und das Geld war mir dafür zu schade gewesen. Also fuhr ich nach Afula, dort angekommen wollte ich einen schnellen Bus nach Nazareth bekommen. Meine Befürchtungen aufgrund des bevorstehenden Shabbatbeginns keinen Bus mehr zu bekommen befürworteten sich nur beinahe. Ich wartete aber sehr lange auf einen Bus. Der einzige der kam fuhr dann auch nur nach Nazareth Illit, den jüdischen Teil Nazareths, der sonst fast ausschließlichen arabischen Bevölkerung, der Stadt. Gott führt uns in jeder Situation. Das könnte ich in diesem Blogeintrag ständig schreiben, ihr werdet noch lesen warum. Der Bus ließ mich nämlich an einer verlassenen Straße raus, ich war der letzte Fahrgast der den Busfahrer von seinem Feierabend abhielt. Von dieser Straße brauchte ich nur 10 Minuten etwa, bis ich den Jesus Weg gefunden hatte. Wie gut, dass ich nicht nach Nazareth direkt gefahren bin, ich hätte wohl Stunden bis zu dem Ort gebraucht an dem ich im Endeffekt herausgelassen wurde. Ich sah mein Ziel schon vor Augen, den Berg Tabor. Ich hatte noch knapp 5 Stunden bis zum Sonnenuntergang, die wollte ich nutzen um zum Berg zu gelangen. Mit dem Berg vor Augen und einem israelischen Industriegebiet im Rücken, auch Mc.Donalds darf in Israel nicht fehlen, wanderte ich los. Der Weg wird wohl nicht oft genutzt, denn er war zu gewuchert. Leider mit den falschen Pflanzen, nämlich Disteln und Dornen. Natürlich trug ich auch eine kurze Hose. Ich musste wohl oder übel da durch und so begann ich weiter zu laufen, bei jedem Schritt schreiend. (Suchbild: Wo ist der Weg in diesem Distelmeer?) Die Schmerzen wurden auch immer mehr, denn sobald die Beine offen waren tat es nur noch mehr weh, wenn ein schöner Dorn sich in eine schon vorhandene Wunde bohrte. Warum musste Gott dieses Land auch verfluchen und mit Disteln und Dornen überwuchern!? Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing (Jesaja 5,6). Und es wird zu der Zeit geschehen: Wo jetzt tausend Weinstöcke stehen, tausend Silberstücke wert, da werden Dornen und Disteln sein, dass man mit Pfeil und Bogen dahin gehen muss. Denn im ganzen Lande werden Dornen und Disteln sein, dass man auch zu all den Bergen, die man jetzt mit der Hacke zu behacken pflegt, nicht kommen kann aus Scheu vor Dornen und Disteln, sondern man wird Rinder darüber treiben und Schafe es zertreten lassen (Jesaja 7,23).
Ich verlor den Weg, der nicht mehr sichtbar war und stapfte einfach so durch die Distelwiese. Langsam wurde es wie ein Sport mit dem Antrieb sich die größten und blutigsten Schrammen zu holen. Irgendwann hörte es auf, Gott sie es gedankt, und ich ging durch Plantagen und Felder. Wie bei uns Korn und Gerste am Wegesrand auf den Feldern wächst so sind es hier solche Pflanzen. Oliven, Granatäpfel, Orangen, Avocados und so weiter. Diesen Wegabschnitt nahm ich als Entschädigung für meine blutigen Beine und Arme (ja einigen Disteln waren sehr hoch gewachsen). Ich befand mich wieder auf dem Jesus Weg, den ich bis hier schon einige Male verloren hatte, aber ich kam dem Tabor immer näher. Auf einmal begann der Weg anzusteigen, aber ganz schön. Ich keuchte den sich nach oben schlängelnden Pfad rauf, welcher durch einen Wald wir im Märchen führte. Oben angekommen war ich auf einem Ausläufer des Tabors gelandet. Die Schweißtropfen perlten sich von meinem Gesicht in einem fast zählbaren Takt.Ich dachte immer der Tabor ist ein kleiner Hügel in der Landschaft. Wer ebenso denkt sollte dringend mal mit 15 Kilo Gepäck dort raufklettern, aber dazu komme ich gleich noch. Doch ich war schon sehr viel dichter, zwischen mir lagen nur noch der Abstieg vom Ausläufer, die Durchquerung eines arabischen Dorfes und der Aufstieg auf den Tabor selbst. Ein Kinderspiel dachte ich, aber so einfach sollte es nicht werden. Die Landschaft wurde immer schöner und ich genoss es dort durch zu wandern. Ich nährte mich dem arabischen Dorf und wurde sogleich mal wieder von der Kultur hier im nahen Osten eiskalt erwischt. Diese herrliche Gegend wurde zu einem Müllplatz umfunktioniert. Überall wurde der Müll entsorgt und verbrannt. Soweit das Auge reichte war der ganze Wald verdreckt. Es begann dann zu stinken. Der Gestank kam von den vielen toten Tieren die ebenfalls einfach mit Colaflaschen und Autoreifen zusammen entsorgt werden. Das will mir immer noch nicht in den Kopf. Das Dorf war recht nett, aber wir kann man mitten in dem ganzen Müll und toten Tieren leben (die so doll stinken, dass sogar die Fliegen ab schwirren) frage ich mich? Ich versuchte so schnell wie möglich einen Abflug zu machen, denn komischerweise werde ich jedes Mal dumm angemacht wenn ich in die Nähe von arabischen Dörfern komme. Vielleicht sollte ich was an meinem Aussehen ändern. Ich freute mich als ich das Dorf verlassen konnte, zwar ging der Weg nicht mehr zum Tabor hin, doch war ich endlich aus dem Dorf raus. Die netteste Begegnung die ich dort hatte war das Pferd, welches einfach nur nichts getan hat. Ich ging also aus dem Dorf und bemerkte langsam wohin ich mich begab. Dieser Ausgang des Dorfes sah wie der Eingang aus. Über Müll, nur auf richtigen hohen Bergen. Hier und da brannte es noch und hier und da lagen ein paar Knochen an die man sich schon gewöhnt hatte. Auf einmal wurde der Gestank noch heftiger als zuvor. Wollt ihr wissen warum? Ich stelle mal einfach die Bilder hier rein und schreib nichts dazu. Nur als Anmerkung, das Blut floss noch die Maden kreuselten und die Kadavern stapelten sich. Es sah aus wie auf einen Schlachtfeld (wortwördlich). Dieser riesige Haufen lag nur wenige Meter von dem Dorfeingang entfernt, wie kann man bei diesem Gestank leben? Wie kann man seine Kinder in so einer Gegend spielen lassen? Ich machte meine Bilder solange ich die Luft anhielt und rannte weiter so schnell ich konnte. Leider war es wie in einem schlechten Film. Den Jesus Weg hatte ich schon lange verloren und irrte nur umher, auf der Flucht vor Schafsköpfen und Rinderpansen. An jeder Ecke kamen mir neue Kadaver entgegen. Bei dieser toten Kuh hätte ich heulen können vor Ärger und Wut. Anscheinend wurde sie an einem Bein angebunden den ganzen Weg her gezogen und durfte dann hier verenden, die Blutspuren auf dem Weg sprachen dafür! Wer macht so etwas bitte? Ich ging einfach nur in die komplett entgegen gesetzte Richtung. Machte bestimmt einen Umweg von mehreren Kilometern, was mir aber egal war. Auf meinem Weg traf ich nur noch ältere Tierkadaver, zum Glück keine welche noch am ausbluten waren. Diese Art zu leben ist mir schwer begreiflich und der Umgang mit dem Land und den Tieren macht mich wirklich wütend. Wieso kann man nicht einen Platz einrichten wohin der Müll kommt, einen Platz wo die Tiere hingebracht oder abgeholt werden. An Geld kann es nicht mangeln, denn in dem Dorf standen riesige Villen, eine mega Moshee und es fuhren teure Autos, unter anderem sogar ein Porsche herum. Die Enttäuschung und Wut führte mich vom Dorf weg mit einem rieseigen Umweg schließlich an den Rand des Tabors. Dort fand ich meine ersten frei wachsenden Trauben in Israel, was mich wieder sehr aufmunterte. Natürlich genehmigte ich mir ein paar Reben und genoss nebenbei den Sonnenuntergang.Ein letzter Blick auf das arabische Dörfchen, welches mir nicht mehr so schnell aus dem Kopf gehen wird. Dann begann der Aufstieg. Viel muss ich dazu nicht sagen, außer das mir ständig durch den Kopf ging was Jesus wohl für ein krasser Typ gewesen sein muss. Der ist mal eben auf so einen Berg gestiegen und ich schleppe mich mit letzter Kraft da hoch. Außerdem hatten die wenn überhaupt damals nur Latschen angehabt! Es war echt voll anstrengend, vor allem bei den krassen Steigungen dauerte es sehr lange, so viel zu dem kleinen Hügel in der Landschaft. Weil es dunkel wurde und ich grade an einem perfekten Platz zu zelten vorbeikam (vielleicht der einzig mögliche Platz auf dem ganzen Berg) schlug ich unter viel Mühe das Zelt auf. Es war so ein starker Wind, das mir das Zelt fast wegwehte. Beim liegen drückte mir der Wind die Zeltwand auf das Gesicht. Ich musste ein paar große Steine suchen und als Verstärkung mit ins Zelt nehmen, so stark war der Wind. Ich aß nur noch ein wenig, der Appetit war größtenteils an den Schafsköpfen und Innereinen von unterwegs hängen geblieben, und ging dann sehr schnell schlafen.

Der 2. Teil folgt hoffentlich bald. Habe so viel erlebt in den 2 Tagen, dass es fast nicht möglich ist alles wieder zu geben. Auf jeden Fall war Gott mit dabei und führte besser als jede Karte, dass merkte man immer wieder! Demnächst also mehr.

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