Dort besprengte er die Bundeslade mit dem Blut von zwei Opfertieren. Ebenso wurde über zwei Böcken das Los geworfen. Der eine wurde geopfert, der andere als Sündenbock in die Wüste gejagt, nachdem ihm der Hohepriester die Sünden des Volkes auferlegt hatte.Auch wir hatten vor, nicht in den Tempel, aber in die große Synagoge zu gehen. Die größte Jerusalems die dem Tempel von damals schon sehr nahe kommen könnte, dachten jedenfalls wir als wir drin waren.
(Ich beim Tee kaufen im arabischen Viertel)
Wir waren dann schon fertig, meine Füße taten weh weil ich Wasserfeste Schuhe für den Tunnel anhatte, siehe Foto. Wir konnten uns aber dann zum Glück im French Hospital umziehen. Schön herausgeputzt gingen wir mit vielen anderen Juden und zusammen mit Lena zur Synagoge, siehe Foto oben. 
Wir fanden kaum ein Platz. Es ging alles so schnell, dass auf einmal die Frauen in ihrer und wir in unserer Abteilung waren. Wir konnten nichts tun denn es ging aufeinmal schon los. Alle gläubigen Gläubigen stehen während des ersten in der Synagoge gesprochenen Gebets. Dabei wird das Kol Nidre drei Mal wiederholt. Die Melodie von Kol Nidre ist eines der berühmtesten Beispiele für jüdische Musik. Dadurch komme man in eine Übereinkunft mit dem allmächtigen Gott, dass jeder Eid, jedes Gelöbnis, jedes Ehrenwort, das man für sich persönlich oder in Bezug auf Verordnungen der Gemeinde unüberlegt im nächsten Jahr gibt, ungültig sein sollen. 

(große Synagoge von innen)
Es war schon interessant mitten unter 1000senden Juden, alle im Gebetsmantel, zu stehen und den Kol Nidre zu hören. Mein Nebenmann ließ mich in seinem Gebetsbuch mitlesen. Vorne stand ein kleiner Chor von Orthodoxen, alle im Gebetsmantel, die ihn sangen. Es hörte sich für mich wie ein Gregoriranischer Kirchengesang an. Der Kol Nidre wird folgendermaßen übersetzt:
Alle Gelübde, Verbote, Bannsprüche, Umschreibungen und alles was dem gleicht, Strafen und Schwüre, die ich gelobe, schwöre, als Bann ausspreche, mir als Verbot auferlege von diesem Jom Kippur an, bis zum erlösenden nächsten Jom Kippur. Alle bereue ich, alle seien ausgelöst, erlassen, aufgehoben, ungültig und vernichtet, ohne Rechtskraft und ohne Bestand. Unsere Gelübde seien keine Gelübde, unsere Schwüre keine Schwüre.“
Ein kleines Beispielvideo von Youtube aus einem Film welches unser Erlebnis ein wenig wiederspiegelt. Ab der 30. Sekunde kommt das wichtige.
Dieses Ritual dauerte schon sehr lange. Als ich nach einem kurzen "Augen geschlossen halten", ja tut mir Leid aber ich bin eingepennt, durch die Synagoge guckte sah ich das ich nicht der einzige war dem es so ging. Der Thorsten neben mir und auch hunderte andere lagen auf ihrer Gebetsbuchablage oder sonst wie in ihren Stühlen. Wir hielten diesen Zeitpunkt sehr gut zum gehen, da wir dachten die Frauen halten es eh nicht viel länger aus als wir. Draußen warteten wir auf Margitta, Mona und Lena. als sie langen Zeit nicht kamen wurde uns natürlich klar das sie bestimmt schon im French waren und dort auf uns warten würden. Also machten wir uns über die leeren Straßen auf den Weg. Lena ging komischerweise nicht an ihr Hand ran. Als wir im French vor ihrem Zimmer standen und ihr Handy drinnen klingeln hörten wurde uns klar das sie noch in der Synagoge waren, in der Frauenabteilung wo wir nicht rein gehen könnten, und Lena ihr Handy auch nicht mithatte. Wir haben dann eine Tour durch die Stadt gemacht.
Als es kalt wurde ging ich auch in eine Synagoge, wie ich dachte. Passend angezogen war ich ja, man darf nämlich nur mit bestimmter Kleidung in das Viertel.
In der Synagoge stellte ich fest das ich im Thoracenter war. Riesengroß, überfüllt und alle guckten mich komisch an. So orthodox sah ich eben auch nicht aus, lange Haare etc, und an diesem Ort waren nur Orthodoxe sodass ich sofort auffiel. Ich schnappte mir ein Gebetsbuch und versuchte mich einfach nur ganz gewöhnlich zu verhalten. Naja, aufeinmal rief Lena an. An Yom Kippur wo man nicht telefonieren darf ruft mich Lena mitten im Thoracenter von Mea Shearim an. Ich flüchtete nur nach draußen, auf die Straße in irgendwelche Gassen. Verlief mich dadurch richtig und hatte echt Schiss das was passieren würde. Fand den Weg aber wieder und ging zum French. Wir zogen dann andere Klamotte an und gingen los, zuerst Richtung Damaskusgate weil dort noch Autos fuhren und mir zuvor ein Taxifahrer angeboten hatte mich zu fahren. Pustekuchen! Er fuhr nur im arabischen Viertel welches vollkommen eingezäunt war. Wir mussten wohl oder übel latschen, wo wir schon den ganzen Tag durch die Stadt gelatscht sind. Es machte aber Spass denn die Straßen waren wirklich leer es war dicker Nebel und nicht ein Auto fuhr.


