Unsere WG hatte schon lange einen Ausflug geplant. Wir entschieden uns mit einem Mietauto in die Golanhöhen zu fahren. Als wir das Auto abholen wollten und uns klar gemacht wurde das es in keiner Kombination und mit allen Mittel mit denen wir es probierten klappen würden war die Stimmung zuerst mies. Wir sind auch noch alle im Bus eingeschlafen und waren dann erst um 10 Uhr wieder in der WG, ohne Auto, obwohl wir am Montag eigentlich um 8 Uhr schon unterwegs sein wollten. Als wir auch bei der Suche nach Alternativen nichts gescheites fanden, kam aufeinmal die Idee nach Kiriat Schmona, die größte im Norden liegende Stadt Israels, zu fahren. Also sind wir zur Central Bus gehetzt und haben gerade so den Bus bekommen.
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich immer noch nicht wo wir genau hinfahren. Die Fahrt sollte 4 Stunden dauern und ich nutze de Zeit zum schlafen. Auf der Fahrt sahen wir Panzer, die Ebene Meggido den Kinneret (See Genezareth) und vieles mehr. Als wir in Kiriat Schmona ankamen war es bereits wieder dunkel. Wir irrten durch die Stadt auf der Suche nach einem Übernachtungplatz. Nach einem gewaltigen Aufstieg fanden wir eine geeignete Stelle am Rande von einem Wohngebiet. Dort versuchten wir dann das Zelt der Ilan WG auf zu bauen, was uns dann auch nach einer Stunde gelang. Sofort machten wir Feuer und aßen ein spärliches Mahl von ein paar Pitas und den Resten von Ethans Geburtstagsparty.
Es war herrlich sich am Feuer zu wärmen, zu essen und Quatsch zu machen. Als wir ins Zelt zum schlafen gingen schliefen wir alle fast ohne große Probleme ein. Am nächsten Morgen merkte ich mein Rücken beim Aufstehen aber schon, dafür wurden wir aber mit einem herrlichen Blick über Kiriat Schmona belohnt. Wir haben nicht weit, vielleicht 1-2 Kilometer, von der Libanesischen Grenze übernachtet. Nach einem kurzen Frühstück, dem zusammen packen des Zeltes und der ganzen Sachen sind wir los in die Stadt um erstmal richtig etwas zum Essen zu kaufen.
Pitas und Obst waren die Hauptnahrungquellen mit denen wir uns für die nächsten 2 Tage eindeckten. Auf einer Mauer aßen und besprachen wir unseren weiteren Urlaub. Wir wollten mit dem Bus Richtung Nimrod also Richtung Osten fahren. Als wir hörten das der Bus erst in 1ner Stunde abfahren sollten sind wir einfach in einen anderen Bus gestiegen der da gerade stand. Ich wusste nicht wo wir hinfuhren und wachte in Zafet oder Sefat wieder auf.
Wir waren in Israels höchst gelegener Stadt. Nachdem wir uns ein wenig umgesehen und die öffentlichen Klos mit Freude benutzt hatten, entschieden wir uns auf jeden Fall nicht in Zafet zu bleiben.
Also gingen wir nach einiger Zeit einfach Richtung Süden mitten auf der Straße. Als der Mond schon wieder zu sehen war machten wir eine Pause und konnten hinter uns noch Zafet sehen, obwohl wir dachten wir wären ein gutes Stückchen gelatscht, und vor uns Tiberias und den Kinneret. Also sagten wir uns wir latschen nach Tiberias und fahren dann morgen Nachmittag von dort mit dem Bus nach Hause. Soweit der glorreiche Plan. Ich dachte wir würden heute Abend schon am Kinneret (See Genezarth) zelten, denn unser Ziel lag in greifbarer Nähe. Wir latschten durch derbe geile Landschaften (schaut euch die Fotos im Picasa Album an) und genossen es nicht arbeiten zu müssen.
Wir kamen durch ein Dorf mit einem kleinem Felsendom und einem Basketballplatz mitten in der Einöde wo sonst nichts anderes war. Aufeinmal sahen wir ein paar lebendige Kühe und als wir schnell vor den großen mit den Hörnern flüchteten sahen wir es...Einen Kuhfriedhof. Überall lagen Knochen und Kadaver von Kühen herum. Unglaublich, wir waren alle begeistert. Gut das noch keine Frauen in unserer WG sind denn die hätten das bestimmt nicht lustig gefunden.
Das Problem war nur wenn man ein Foto von dem noch mit Leder überspannten Skelett machen wollte musste man echt die Luft anhalten denn es stank sososo widerlich. Trotzdem konnten wir es uns nicht nehmen lassen ein WG Bild zu machen. Es ging weiter und langsam wurde es schon dunkel. Da wir aber wie am Vorabend immer noch keinen Platz zum zelten gefunden hatten musste wir solange weiter latschen bis eine gute Stelle kam.
Als nach dem Sonnenuntergang immer noch nichts kam wurden wir langsam unruhig, hinzukommend sahen wir in dem Tal wo wir waren und es keinen anderen Weg als dem einem gab, Wildschweine herumstromern. Nicht das wir Angst hatten (wir doch nicht) aber ein wenig Gedanken machten wir uns schon, wegen dem Essen usw...Endlich als es schon fast komplett dunkel war fanden wir den perfekten Platz. Nun wurde die Arbeit in Zelt aufbauen, Holz und Steine sammeln aufgeteilt. Was waren wir froh als wir endlich am Lagerfeuer unsere Pitas grillen und ein paar Äpfel, Orangen und Bananen essen konnten.
Als wir uns ins Zelt verzogen war es gerade mal nach 9 Uhr oder so. Es war aber schon so lange dunkel und wir waren auch gut kaputt sodass es kein Problem war schon ins Zelt zu gehen. Allerdings fiel uns das mit dem Einschlafen diese Nach schwerer als die letzte denn es wurde getobt, gefilmt, gepupst (armer Willi, der wäre immer fast gestorben, aber was soll man machen wenn man nur Pitas und Obst isst?) und viel Blödsinn erzählt. Als wir dann ruhig in den Schlafsäcken lagen und kurz vorm einschlafen waren fingen auch noch Kojoten oder Wölfe in der Nähe an zu jaulen und da war es endgültig vorbei mit schlafen. Mir ging es so das ich total oft aufgewacht bin und total unbequem auf einer Wurzel oder sonst was versucht habe zu pennen.
Am nächsten Morgen weckte uns die Deutsch Nationalhymne und nachdem wir gefrühstückt und jeder nochmal ein Geschäft gemacht hatte gings auch wieder los. Wir wollten ja noch bis nach Tiberias und haben laut Karte erst den halben Weg geschafft. Also sind wir ein wenig geflitzt, haben die Frauengruppe die 1 Stunde zuvor beim Frühstück aufm Weg entlang ging wieder eingeholt.
Wir waren so durchgeschwitzt denn die Sonne stand schon sehr hoch und wir rannten mit riesen Rucksäcken durch ein Tal voll dicker Luft mit Bäumen und Ästen über dem Weg. Ich kam mir manchmal echt vor wie im Urwald auf der Flucht vor irgendeinem Monster.
Irgendwann kamen wir an eine Straße so gegen Mittags, dort machten wir Pause und fanden ein Schild für den Nationalpark aus dem wir gerade rauskamen mit allen zu beachtenden Regeln.
Wir haben gegen jede verstoßen. Also ging es weiter immer den Israeltrack entlang. Wir nährten uns den Kinneret, denn überall rechts und links von uns waren Plantagen. Bananen, Apfelsinen, Orangen, Avocados, Kakteen...alles was man sich vorstellen konnte wuchs dort.
Und da ein Gesetz in Israel sagt man darf soviel pflücken oder sammeln wie man im Moment auch isst haben wir uns den Bauch voll geschlagen. Nur Jonas der dieses Gesetz nicht kannte (es kannte niemand von uns, erst im Nachhinein haben wir davon erfahren) war genervt
weil wir aller 5 Minuten an jeder neuen Plantage Pause machten. Als wir endlich die Plantagen hinter uns gelassen hatten sahen wir den Kinneret. Was waren wir froh, nicht über den See Genezareth sondern über die Straße die um ihn führt und das Restaurant was an der Straße stand. Zivilisation: das bedeutete Falaffeln essen. Als wir uns gestärkt hatten waren wir bereit weiter zu gehen. Tiberias war schon in Sicht (aber das war es ja auch schon am Tag davor) und so sind wir weiter am Ufer des Kinnerets lang Richtung Tiberias.
Es war erschreckend zu sehen wie weit das Wasser zurück gegangen ist. Wir latschten also vom nördlichsten Punkt des Kinnerets nach Tiberias. Ich dachte wieder nach einer Stunde müssen wir doch wohl da sein, aber nichts da. Nachdem es richtig anstrengend wurde sind wir dann auf die Straße gegangen. Aber da mussten wir auch nochmal ne Stunde latschen. Wir waren also fast 2 Tage unterwegs für die Strecke die wir am Anfang schon überblicken konnten. Im Endeffekt sind wir aber auch fast 30 Kilometer gewandert.
In Tiberias wollte ich eigentlich noch baden, damit ich in 2 Monaten in allen Israelischen Meeren (4) war. Aber in Tiberias fing es schlagartig an zu regnen. Wir flüchteten in eine schlechte Burgerbar und warteten den Schauer ab. Lustig: wir ärgerten uns das es regnete aber alle Juden feierten, denn Regen = Segen, gerade für die Wasservorräte des See Genezareths. Als wir endlich im Bus saßen waren wir echt froh.
Und noch mehr als wir zu hause jeder in seinem Bettchen waren.
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