
Da ich mir meinen Blog gerne, wenn er fertig ist, als Tagebuch herunterladen möchte versuche ich ausführlich zu berichten. Es fehlen noch so viele Erlebnisse, ich schaffe es garnicht alles aufzuzählen. Ach, wahrscheinlich
trauer ich zu sehr. Die ganzen tollen Dinge nochmal auf zu schreiben ist bestimmt auch
ne Form diese Zwischenzeit gut zu verarbeiten. Man, ich vermisse alles schon sehr. Das Aufschreiben hilft bestimmt.
Haha ich versuche mir
grade Ausreden einfallen zu lassen warum ich auf meinen Blog schreiben dürfte. Okay, ich
habs echt gemocht irgendwie, während der Israelzeit.
Naja, also werde ich noch so lange weiter schreiben bis ich kein Bock mehr habe. Da sich in letzter Zeit so viel bei mir ändert kann dies also auch schon morgen sein. Also der voraussichtlich letzte Eintrag kommt jetzt, über meine letzten Tage im Lande.

Ich war das letzte mal (
haha "das letzte mal"
werde ich wohl öfters verwenden) mit
Fares unterwegs, und zwar zusammen mit ihm und
Mette in
Talpyot im Kino. Das besondere daran war, dass
Fares nach 15 Monaten die ich mit ihm erlebt habe zum ersten mal fast alleine alles geregelt hat um aus zu gehen. Das Kino, den Film hat er selbst aus gewählt, sogar das Datum. Bei dem Fahrer unterstützte uns
Eitan.
Fares ich bin stolz auf dich. Der Film war nebensächlich.

An meinem allerletzten Tag wollte ich unbedingt nochmal in eine Synagoge und zur Klagemauer. Einfach das
Shabbatfeeling von Jerusalem zum letzten mal mit erleben. Wir fuhren mit den, wenn ich sagen darf, allerletzten Bus in die Stadt. Dort besuchten wir die
so genannte "Bunkersynagoge" in einem orthodoxen
Jerusalemer Stadtteil. Das einmalige, es war eine charismatische Gemeinde. Das bedeutete das die orthodoxen Juden, aus allen möglichen Glaubensrichtungen, tanzten und sangen. Ganz egal ob schief oder laut, alles war möglich. Ein geniales Erlebnis. Danach gingen wir zur Klagemauer.

Dort trafen wir einen netten
Sicherheitsmann der zeigen musste das er eine höhere Position inne hatte als wir. Niemand anderes wollte durch die Absperrung, er hatte einfach nichts zu tun. Doch wir mussten 5 Minuten warten bis er seinen Tee ausgetrunken hatte. Dann durchsuchte er uns ganz ganz genau. An anderen
Shabbats bin ich schon einfach ohne Kontrolle durch die Absperrungen gekommen, mit vollen Rucksack und gefüllten Taschen.
Naja, auch das würde ich wohl vermissen dachte ich mir in der Situation, und so ist es auch, wo sind die ganzen
Sicherheitsmänner in Deutschland? Letztes habe ich einen bei
Penny Markt gesehen und habe meinen Augen nicht getraut. Wollte es Johannes, der mich drauf
aufmerksam gemacht hatte, nicht glauben. Ich konnte ein letztes mal die großen Steine anfassen, und an dem heiligsten Ort im Judentum ein letztes Gebet sprechen. Danach
gings mit Umweg über den
Fallaffelmann zurück ins
Alyn, zu Fuß am
Shabbat durch das leere Jerusalem, ein letztes mal.

Im
Alyn packte ich meine Sache, ein wenig spät aber es klappte ja alles. Dann hatte die WG eine "überraschende"
Überraschungsparty zu meiner Überraschung vorbereitet :-) Dabei hatte ich extra noch gesagt das ich keinerlei solcher Dinge brauche.
Naja, was soll ich sagen. Es war natürlich total schön aber auch irgendwie traurig.

Wir gingen dann noch nach draußen und machten, für mich ein letztes mal, WG Bilder mit dem Zusatz des
Foxpullover.
Haha, diesmal waren wir es welche den
Sicherheitsmann nervten, denn wir schossen unsere Fotos überall und an jedem Platz.
Naja einen von den idiotischen Volontären ist der
Shomer ja jetzt losgeworden :-)


Am nächsten Morgen war ich immer noch am Sachen packen. Leider hatte ich in der Nacht deswegen keinen Schlaf gefunden. Ein letztes mal verabschiedete ich mich von den Patienten die wach waren so früh am morgen,
Dani war der einzige von ihnen der extra aufstand und mit raus kam. Ein letztes Bild von der
Alyn WG wo ich meine letzten 15 Monate verbracht hatte, die besten meines bisherigen Lebens.

Dort holte mich Olga mit meinen ganzen Gepäck ab. Wir fuhren das letzte mal zur
Assembly. Sogar der
messianische Jude den manchmal im Bus getroffen hatte stieß zu uns.
Haha, so schlossen sich am Ende doch noch alle Kreise. Von der
Assembly konnte ich die Predigt nicht mehr ganz mitnehmen, dass lag aber nicht daran das ich überhaupt nicht geschlafen hatte,
erstaunlicherweise klappte das ganz gut mit dem wach bleiben. Der
Sherutfahrer rief nämlich mitten in der Predigt an und wollte aufbrechen. Schnelle Verabschiedung in
Talpyot und auf zum Flughafen zusammen mit Matthäus, Joachim und
Dominic.

Dort trafen wir
Marvin und die ganze
Petah Tiqwa WG. Meine Kontrolle klappte mal wieder einwandfrei. All mein Übergepäck wurde anstandslos mitgenommen. Wir konnten Sitze nebeneinander,
für Marin und mich reservieren. Alles war perfekt. Ich hatte noch gut Zeit für die Verabschiedung. Vielen Dank allen Leuten die sich so reingehangen haben mir einen netten Abschied zu
gestalten. Es hat sich gelohnt, ich vermiss alles so sehr. Unvermeidlich war dann die allerletzte Aktion für mich. Die Bilder sprechen für sich.

Es ging alles so schnell, auf einmal saßen
Marvin und ich
nebeneinander im
Flieger und befanden uns auf der
Rollbahn. Und nicht viel später landeten wir in Hamburg bei Schnee.


Komische Welt, kein Wunder das die Verarbeitung im Kopf da nicht hinterherkommt wenn alles so schnell geht. Ich werde wohl noch eine Weile brauchen bis ich richtig hier angekommen bin. Mein Denken ist noch immer Israelisch, in
Shekeln nicht in Euro.
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