Montag, 21. Juni 2010

kurzer Einblick, chaotisch – typisch

Oh man, ich will euch nur kurz erzählen was ich hier so erlebt, was man in Deutschland so vermisst hat. Es ist eigentlich nichts Besonderes aber verankert sich in meinen Erinnerungen schon ganz schön stark. Es geht ein wenig um den Lebensstil und die Leichtigkeit hier im Lande also erwartet nichts Großartiges. Ich fands nur wie gesagt einmalig.
Kurz zusammengefasst. Am Freitag vergaß ich erst das Deutschlandspiel. Hatte irgendwie vergessen, dass die spielen, habe aber anscheinend nichts verpasst! Abends waren wir dann bei einem sehr amerikanischen Shabbatessen, mit Hot Dogs, Hamburgern und Maiskolben in Anatot. Anatot ist eine jüdische Siedlung im der Westbank. Wir waren zu Gast bei den, so wie Hendrik es gesagt hatte: „übelsten Zionisten, alter.“ Dieses Shabbatessen war schon spezial, wer wissen will warum kann ja gerne fragen. Danach sind wir wieder nach Jerusalem, ohne Personalausweis über den Checkpoint. Das war aber zum Glück auch kein Problem. Hendrik schlief bei mir. Am nächsten Morgen, nach einer sehr warmen Nacht, standen wir auf und fuhren mit Olga zur Gemeinde. Ich berichte hier jetzt einfach nur den Ablauf meiner beiden freien Tage. Nach der Gemeinde sind wir ins Alyn, haben dort gegessen. Die anderen guckten Fußball, laaaaaaangweilig muss ich hier mal erwähnen. Was bin ich froh nicht davon abhängig zu sein. Wie viel kostbare Zeit man doch mit Fußball verschwenden kann und wie froh ich bin das ich nicht jedes Spiel anschauen muss. Ganz im Gegenteil ich versuche es absichtlich zu vermeiden und mache extra etwas ganz anderes während alle, ja auch hier in Israel, auch Fares, wie die blöden vor den Leinwänden hängen. Zum Beispiel habe ich kurz mit Uta telefoniert. Danach sind wir dann in den Sacherpark gelatscht, es war Shabbat und es fuhren keine Busse. Dort haben wir erst mit ein paar Israelis die jeden Samstag dort sind richtig gutes Volleyball gespielt, danach mit der Jugend aus der Assembly, die Gemeinde die ich besuche, Fußball gespielt. Wir spielten, wogegen ich nebenbei erwähnt nichts habe, bestimmt 2 Stunden. Es war so warm und anstrengend. Danach fuhr ich mit nach Petach Tiqwa weil Dominic dort seinen Geburtstag feierte. Wir spielten eine Menge von lustigen Spielen anlässlich seines Geburtstags, von Blindfütterung bis Einkaufswagenrennen. Irgendwann nachts gingen wir schlafen, mit einem einfachen Bettlacken denn alles andere war zu heiß. 2 Stunden später wachte ich irgendwie auf, ohne Wecker, vielleicht durch den Schweiß der mir ins Auge rann. Denn es war mal wieder mega warm. Als ich gegen halb 7 zum Bus aufbrach rann Dominic im Schlaf schon der Schweiß von der Stirn. Ich ging so früh los weil ich arbeiten musste. Als der Bus kam bemerkte ich, dass ich gar nicht mehr genügend Geld für eine einfache Tour nach Jerusalem hatte. Als ich noch überlegen wollte mich als dummer Deutscher Tourist auszugeben stieg ich ein. Der Busfahrer war so freundlich, er zählte das Geld, bemerkte, dass ich zu wenig hatte, daraufhin blickte er mich an und winkte mich ein paar Sekunden musternd einfach durch. Sah ich so Mitleids erregend aus? Ich denke, dass es einfach ein gutes Bild für die Israelis ist. Natürlich ist nicht jeder so hier, es gibt auch die anderen die komplett Gegenteilig sind. Aber mir ist das hier nicht zum ersten Mal passiert. Schon mehrmals hatte ich das gleiche Problem mit dem Geld und es wurde mir immer geholfen. Eigentlich wurde ich als Ausländer fast immer von den meisten sehr freundlich oder übermäßig freundlich, für deutsche Verhältnisse total ungewöhnlich übermäßig freundlich, behandelt. So auch dieses Mal. Froh, dass ich doch pünktlich zur Arbeit kommen würde stieg ich also ein. Um halb 9 beginnt in der Regel meine Arbeit und um halb 7 fuhr ich wie gesagt von Petach Tiqwa los. Die Fahrt dauert normalerweise 90 Min. Als ich irgendwann aufwachte war die erste komische Situation, dass eine orthodoxe Jüdin neben mir sahs und ebenfalls schlief. Schon ungewöhnlich denn wenn man nebeneinander sitzt berührt man sich meistens, was für viele religiöse Frauen aber verboten ist. Außerdem schlief sie mit ihrem Kopf ab und zu fast auf meiner Schulter. Haha, war schon witzig. Was allerdings nicht so toll war, ich schaute auf die Uhr und es war bereits kurz vor halb 9 und wir standen voll im Stau! Oh man das war schon ätzend, irgendwann konnte ich die Brücke von Jerusalem sehen, es ging aber nur langsam voran. Trotz alledem kam ich im Endeffekt nur 15 Min zu spät, ich hätte mindestens mit einer halben Stunde gerechnet. Halb 6 nach der Arbeit wollte ich kurz entspannen und legte mich für geplante 5 min aufs Bett. Daraus wurden dann 3 Stunden. Ich stand dann auf und fuhr ins Alyn, telefonierte mit Uta und redete ein wenig mit den Patienten. Nach elf feierten wir im Kleinen kreise Dominics Geburtstag. Ich übernachtete wieder im Alyn und fuhr dann heute Morgen wieder zur Arbeit. Was es so schwer machte. Ich litt so unter Muskelkater vom Fußballspielen am Samstag. Jeder Muskel tat weh, bei jeder Bewegung, sogar beim liegen oder sitzen. Meine Mama würde mich auslachen und sagen, tja, zu wenig und unregelmäßig Sport gemacht. Zur Verteidigung, ich war nicht der einzige mit Muskelkater. Wir waren beim Fußballspielen so kaputt, dass wir uns freiwillig mit dem Torwart abwechselten. Mein Mund war so trocken, trotz trinken, dass meine Zunge am Gaumen klebte, wenn sie nicht grade beim keuchen draußen hing. So, das war ein kleiner Einblick in meinen Alltag, bis jetzt noch sehr durcheinander. Aber langsam merke ich, dass ich nicht mehr im Alyn arbeite und wohne und langsam bekomme ich Struktur und Ordnung in den Alltag (falls man es so nennen kann, für andere vielleicht macht es nicht den Anschein von Ordnung, aber für mich sind es große Vorschritte, zum Beispiel zur geregelten Zeit ins Bett zu gehen…). Grüße aus Jerusalem.

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